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Äthiopienhilfe verleiht Böhm-Preis an Horst Köhler

München (dpa) – Die Äthiopienhilfe «Menschen für Menschen» hat zu ihrem 35-jährigen Bestehen erstmals den nach ihrem Gründer benannten Karlheinz Böhm-Preis an Ex-Bundespräsident Horst Köhler verliehen. Köhler nahm die Auszeichnung – das knapp 25 Zentimeter hohe bronzene Abbild einer äthiopischen Schirmakazie – am Samstag bei einem Festakt in München entgegen. «Die Afrika-Politik Europas braucht eine neue politische Entschlossenheit», sagte Köhler bei dem Festakt. «Wir müssen vor allem die Schaffung von Arbeitsplätzen und Perspektiven für die Jugend Afrikas zur echten europäischen Priorität machen.»

Die Laudatio hielt Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU). Die Auszeichnung soll von nun an alle zwei Jahre eine Person ehren, die sich besonders für Afrika engagiert hat. Rund 200 Wegbegleiter und Freunde auch aus Äthiopien kamen am Samstag zu der Feier, die das Model Sara Nuru moderierte.

Köhler habe sich schon als Geschäftsführender Direktor des Internationalen Währungsfonds für eine stärkere Kooperation mit Afrika stark gemacht und mit vielen afrikanischen Präsidenten eine vertrauensvolle Zusammenarbeit begonnen, teilte die Stiftung mit. Als Bundespräsident habe er sich unter dem Titel «Partnerschaft mit Afrika» dafür eingesetzt, die strategische Bedeutung Afrikas ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Bis heute engagiere er sich in Ehrenämtern vor allem für den wirtschaftlichen Aufbau dort. Köhler war auch ein Freund der Familie Böhm und hielt bei der Trauerfeier für den gestorbenen Schauspieler im Sommer 2014 eine bewegende Rede.

Vor 35 Jahren hatte Böhm angesichts der Hungersnot in der Sahelzone in der Fernsehshow «Wetten, dass..?» mit dem Publikum gewettet, dass nicht einmal jeder Dritte Zuschauer bereit sei, auch nur eine Mark für die hungernden Menschen zu spenden. «Und diese Wette möchte ich gern verlieren», sagte er – und er verlor. Es kamen 1,2 Millionen Mark zusammen; am 13. November 1981 gründete Böhm «Menschen für Menschen».

Seitdem hat die Stiftung in mehreren Projektgebieten den Grundstein für ein Leben ohne Hunger gelegt. Dutzende Gesundheitsstationen und Polikliniken wurden gebaut, Brunnen angelegt und Hunderte Schulen errichtet, in denen jährlich rund 400 000 Schüler lernen. Bildung und Förderung der Frauen steht weit oben in dem Konzept. Mehr als 80 000 Frauen erhielten hauswirtschaftliche Weiterbildungen und 25 000 bekamen Kleinkredite, um sich eine bescheidene Existenz aufzubauen.