Harte Worte – Interview mit Michael Stoschek

Der Brose-Gesellschafter Michael Stoschek hat in einem RadioEINS Exklusiv Interview sein Schweigen gebrochen. Die Region brauche einen neuen Verkehrslandeplatz, die Brandensteinsebene sei nicht sicher für den Flugverkehr. Im Interview mit RadioEINS Reporterin Julia Bach schildert er drastisch seine Meinung zum Thema „Verkehrslandeplatz Meeder/Neida“ und nimmt Bezug auf Entscheidungen in der Vergangenheit.


Zum Thema VLP hat uns am 14. August 2016 folgendes Statement erreicht:

30 Mio. € für 30 min?

oder

Müssen in Coburg auch Jets starten und landen?

 

Der Leserbrief von Herrn Stoschek, siehe Neue Presse vom 03.08.2016, ist sehr aufschlussreich, was den Bedarf eines neuen Verkehrslandeplatzes (VLP) in Meeder betrifft. Wir greifen zwei Argumente auf:

Argument: die vorhandenen zweimotorigen Turboprops sind veraltet, in Coburg müssen auch Jets starten und landen können

Schnelligkeit wird als der wichtigste Grund für die Werksflieger angeführt. Der Brose Firmenjet, eine Cessna Citation CJ2+, hat eine Reisegeschwindigkeit von 750 km/h; die Beechkraft King Air B200 hat eine Reisegeschwindigkeit von 570 km/h. Was ist der Zeitgewinn auf einer Flugstrecke nach Ostrava in Tschechien, 520 km Luftlinie entfernt, bzw. nach Barcelona, da sind es 1220 km? Eine einfache Abschätzung liefert für den Jet einen Zeitgewinn von 13 min nach Ostrava bzw. von ca. 30 min nach Barcelona. Da Jets wegen zu kurzer Bahnlänge nicht mehr auf der Brandensteinsebene starten dürfen, benötigt man für 30 min schneller in Barcelona definitiv einen neuen VLP in Meeder und 30 Millionen Euro (oder auch etwas mehr).        

Argument: Coburg hat die mit Abstand kürzeste Bahnlänge aller instrumentenflugberechtigten Flugplätze in Europa

Ein bekanntes ortsansässiges Unternehmen fliegt regelmäßig den Flugplatz Breda International in den Niederlanden an. Die flugtechnisch relevanten Bahnlängen sind vergleichbar mit der Coburger Brandensteinsebene. Es ist dort allerdings nur Sichtflug erlaubt, wie übrigens in Bamberg auch. Uns sind keine Beschwerden von Coburger Unternehmen über den Flugplatz Breda bekannt.

 

Wir stimmen aber dem Leserbriefschreiber [Anm. d. Red.: s. Neue Presse Coburg 3. August 2016] zu, dass die Instrumentenflugberechtigung, d.h. Start und Landung auch bei eingeschränkten Sichtweiten, für den Werksflugverkehr wichtig ist. Deshalb sollten sich die Verantwortlichen langsam um eine Verlängerung der Instrumentenflugberechtigung auf der Brandensteinsebene kümmern, auch über 2019 hinaus, denn im Januar 2020 wird es nach dem aktuellen Stand des Planfeststellungsverfahrens keinen VLP Meeder geben.

 

Dr. Bernhard Freudenberg und Hubertus Steinerstauch

Coburg, den 14.08.2016

 

Anmerkung der Redaktion:
In der Pressekonferenz zur IFR-Ausnahmegenehmigung im Juli 2011 hatten sich Stadt und Unternehmen dafür ausgesprochen, dass nur in einen VLP investiert werde, der dem Status Quo vor der Verkürzung der Landebahn entspreche, also den Flugbetrieb durch den oben genannten Jet möglich macht.

 

 


 

Anbei die Erwiderung von Michael Stoschek, Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der Brose Gruppe, zu diesem Leserbrief.

 

Der Leserbrief enthält – wie üblich – mehrere Irrtümer: Turboprop-Flugzeuge werden für den Geschäftsflugverkehr in Deutschland kaum noch eingesetzt. Der Nachfolger unserer King Air 200 kommt mit der Coburger Landestrecke von 632 Metern auch nicht mehr zurecht. Die im Geschäftsflugverkehr üblichen Jet-Flugzeuge haben unter anderem eine höhere Reisegeschwindigkeit, doch davon war in unserer Stellungnahme gar nicht die Rede. Weshalb die Leserbriefschreiber die Instrumentenflugberechtigung für den Werksflugverkehr als notwendig betrachten, gleichzeitig aber einen holländischen Sichtflugplatz erwähnen, bleibt deren Geheimnis. Übrigens konnte der erwähnte Platz bei den letzten zehn Flügen acht Mal wegen schlechten Wetters nicht angeflogen werden. Natürlich war der Antrag zur Nutzung der Brandensteinsebene durch den Aero Club Coburg niemals befristet gestellt. Das Luftamt Nordbayern hat dagegen seine Ausnahmegenehmigung nur bis Ende 2019 befristet erteilt. Dies ist nachvollziehbar vor dem Hintergrund der unakzeptablen kurzen Bahnlänge, die ein Sicherheitsrisiko für Piloten, Besatzungen und Anwohner darstellt.

Michael Stoschek, Ahorn