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Kultur
Freitag, 22. April 2011 17:24
Deutsche Filmtalente in Cannes
Berlin (dapd). Was die Berlinale verschmähte, kommt jetzt in Cannes groß raus. Mit den Berliner Filmstudentinnen Maria Steinmetz und Doroteya Droumeva wurden in diesem Jahr gleich zwei Deutsche für die Nachwuchssparte des wichtigsten Filmfestivals der Welt ausgewählt. Zuvor war Steinmetz' Film noch von der Berlinale abgelehnt worden. Die Berlinerinnen setzten sich mit ihren Kurzfilmen gegen knapp 1.600 Beiträge aus aller Welt durch und hoffen im Mai an der Croisette auf den Durchbruch. Für Steinmetz war das Nein der Berlinale im Rückblick ein Glücksfall. Denn Cannes-Kandidaten dürfen vorher nicht auf anderen Festivals gezeigt worden sein. "Vielleicht passte der Film nicht ins Programm. Das hängt natürlich vom Geschmack der Kommission ab", kommentiert sie die Absage aus Berlin. Zusage für unfertigen Film Das Festival in Cannes nahm hingegen den mit 1,0 benoteten Diplomfilm von der Potsdamer Filmhochschule "Konrad Wolf", obwohl der Ton noch gar nicht fertig gemischt war. "Ich war sehr glücklich", erinnert sich Steinmetz. "Es ist so eine Motivation, sich weiter als Regisseur zu probieren." Die 31-Jährige ist bereits über ihre Auswahl derart erfreut, dass sie sich noch nicht einmal über die Höhe der Preisgelder informiert hat. Ihr achtminütiger Animationsfilm "Der Wechselbalg" basiert auf einer Vorlage der schwedischen Literaturnobelpreisträgerin Selma Lagerlöf ("Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen"). Sie erzählt die Geschichte eines Trollkinds, das einem Ehepaar untergeschoben wird und das in der Frau Muttergefühle weckt. Um Mutterschaft geht es auch im Spielfilm von Doroteya Droumeva. Die Studentin der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin dffb erzählt in "Der Brief" von der jungen Maja, die sich trotz augenscheinlich perfekter Lebensumstände für eine Abtreibung entscheidet. "Es ist ein sehr langsamer und beobachtender Film, bis es dann zum Schluss auch wehtut", beschreibt die 32-Jährige ihr Werk, an dem sie rund drei Jahre gearbeitet hat. "Der Film ist ambivalent", meint auch Kameramann Hendrik Reichel, der mit der Regisseurin im selben Jahrgang studiert. "Es ist toll, dass sie so einen Film auswählen, weil es gerade für die Art Filme immer schwieriger wird." Teilnahme ist Auszeichnung genug Wie Steinmetz macht sich auch das Team von der dffb keine Gedanken über den 20. Mai, wenn Jury-Präsident Michel Gondry ("Vergiss mein nicht") die Sieger in der Sektion "Cinéfondation" verkündet. "Für uns ist der Preis schon, dass wir überhaupt dabei sind", sagt Reichel. Steinmetz ist ebenfalls unsicher, wie Gondry ihren Beitrag aufnehmen wird. "Mein Film ist sehr ruhig und sehr narrativ, bei ihm ist alles ein bisschen verrückt", sagt sie. Dafür möge Gondry Animation sehr. Vieles hänge von den 15 anderen Filmen ab. Die beiden Regisseurinnen verbindet neben dem zentralen Thema ihrer Filme noch mehr: Steinmetz wurde in Russland geboren und kam mit 15 Jahren mit ihren Eltern nach Berlin. Droumeva stammt aus Bulgarien und lebt seit zwölf Jahren in der Hauptstadt. Beide haben noch nie an Festivals teilgenommen und reisen am 17. Mai an die Croisette, das Festival stellt die Unterkunft. Steinmetz hofft auf einen positiven Karriereeffekt durch Cannes. Nach dem Studium sei es nicht einfach gewesen, beruflich Fuß zu fassen, sagt die zweifache Mutter. "Es ist sicher ein großer Erfolg, aber es ist keine Garantie für den nächsten Film", meint Droumeva. "Man wird jetzt wahrgenommen, aber das bedeutet überhaupt nicht automatisch einen Karriereschub." dapd
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