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Erneut Proteste in St. Louis

St. Louis (dpa) – In der US-Stadt St. Louis hat es den vierten Tag in Folge Proteste gegen den Freispruch eines weißen Ex-Polizisten gegeben, der vor sechs Jahren einen Schwarzen erschossen hatte.

Etwa hundert Demonstranten zogen friedlich durch das Zentrum der Stadt, wie der Sender KMOV berichtete. In der Nacht war es erneut zu Unruhen gekommen. Mehr als 80 Menschen wurden festgenommen, wie die Polizei mitteilte.

Anlass der Demonstrationen ist der umstrittene Freispruch eines Ex-Polizisten am Freitag. Er hatte 2011 einen mutmaßlichen Drogendealer erschossen.

Die Proteste am Sonntag verließen zunächst friedlich, ehe kleine Gruppen von Demonstranten am Abend gewalttätig wurden. Sie hätten Fenster eingeschlagen und Eigentum beschädigt, sagte Bürgermeisterin Lyda Krewson. «Das ist inakzeptabel», fügte sie hinzu.

Auch am Freitag und Samstag hatten die Proteste gewaltlos begonnen, waren dann jedoch eskaliert. Demonstranten warfen Steine und Flaschen auf Polizisten, zertrümmerten zahlreiche Schaufenster und richteten Schäden am Wohnhaus der Bürgermeisterin an. Die Polizei setzte wiederum Tränengas ein. Mehrere Polizisten wurden verletzt, es gab Dutzende Festnahmen.

Der freigesprochene ehemalige Streifenpolizist hatte den 24-jährigen Schwarzen nach einer wilden Autoverfolgungsjagd erschossen. Er wurde wegen vorsätzlichen Mordes angeklagt. Die Staatsanwaltschaft machte dabei geltend, dass er während der Verfolgungsjagd einem Kollegen im Streifenwagen gesagt habe, er werde den Mann töten.

Diese Äußerung war im Auto per Video aufgezeichnet worden. Aber in der Aufnahme ist nicht zu verstehen, was unmittelbar davor oder danach gesagt wurde. Der zuständige Richter entschied, dass die Bemerkung möglicherweise aus dem Zusammenhang gerissen worden sei und daher keinen schlüssigen Beweis für eine Mordabsicht darstelle.

Der heute 36-jährige Polizist, der nach dem Vorfall selbst den Dienst quittierte, hatte sich auf Notwehr berufen: Demnach schoss er, als der Mann nach seiner Waffe griff. Insgesamt gab er fünf Schüsse ab.