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Streit um zweite S-Bahn-Stammstrecke erneut vor Gericht

München (dpa/lby) – Der Streit um den Bau der zweiten S-Bahn-Stammstrecke in München beschäftigt erneut den Bayerischen Verwaltungsgerichtshof. Anwohner und Geschäftsleute im Osten klagen gegen einen aus ihrer Sicht unzureichenden Schutz vor Lärm in der Bauphase sowie vor Erschütterungen beim späteren Betrieb. Der Vorsitzende Richter stellte am Dienstag fest, dass es sich um ein sehr komplexes Verfahren handle, wie Gerichtssprecherin Claudia Frieser mitteilte. Wann ein Urteil verkündet wird, steht noch nicht fest.

Für den Abschnitt Ost sind noch fünf weitere Klagen anhängig. Teils geht es ebenfalls um Lärm, teils um einen eingeschränkten Zugang zu Geschäften während des Baus und damit verbundene Umsatzeinbußen. Teils wird die Streckenführung insgesamt infrage gestellt. Vor allem eine Bürgerinitiative im Stadtteil Haidhausen wehrt sich seit Jahren vehement gegen den Bau.

Die Verfahren für die Abschnitte West und Mitte sind nach Gerichtsangaben abgeschlossen. Beim Abschnitt West gab es sieben Verfahren, bei denen das Eisenbahn-Bundesamt teils zu Schutzauflagen verpflichtet wurde. Beim Abschnitt Mitte waren rund 20 Verfahren anhängig. Zu einem Stopp des Mega-Projekts, den Gegner gefordert hatten, führten die Prozesse bisher nicht. Beobachter gehen davon aus, dass es auch bei den noch offenen Verfahren höchstens zusätzliche Auflagen für die Bauphase geben wird.

Nach jahrelanger Planung hatte im April mit dem Spatenstich der Bau begonnen. Das rund vier Milliarden Euro teure Projekt soll die Kapazitäten der chronisch überlasteten Strecke durch die Innenstadt fast verdoppeln. Kernstück ist ein sieben Kilometer langer Tunnel, der bis zu 40 Meter unter der Erde verlaufen wird. 2026 sollen die ersten S-Bahnen rollen. Gegner kritisieren das Projekt als Milliardengrab und favorisierten den Ausbau eines Südrings. Die Engpässe seien vielfach an den Außenästen und nicht nur auf der Stammstrecke.