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Experten: Erdbeben nahe Geothermieanlagen ungefährlich

Poing (dpa/lby) – Experten halten die möglicherweise von der dortigen Geothermieanlage ausgelösten Erdbeben von Poing bei München für unbedenklich. Die jüngsten Erschütterungen seien in etwa so stark gewesen, «wie wenn ein Lastwagen über eine holprige Straße fährt», sagte Inga Moeck vom Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik (LIAG) in Hannover. Der Betreiber legte die Poinger Anlage vorübergehend still, nachdem zum dritten Mal innerhalb von neun Monaten in der Gemeinde die Erde leicht gebebt hatte.

Moeck riet der Geothermiebranche, die Sorgen der Bevölkerung ernst zu nehmen, auch wenn sie sogenannte Mikrobeben für ungefährlich hält. Die Menschen müssten unterscheiden lernen, «was ist gefährlich und was ist nicht gefährlich». Der Bundesverband Geothermie forderte eine sachliche Diskussion. «Die Anlage in Poing hätte nicht zwingend abgeschaltet werden müssen», sagte Verbandspräsident Erwin Knapek.

Zuvor hatte der Erdbebendienst der Ludwig-Maximilians-Universität in München einen Zusammenhang zwischen den Erschütterungen und Geothermieanlagen für möglich gehalten. «Es ist ein bisschen wahrscheinlich», sagte Seismologe Joachim Wassermann.

Die Region um München ist wegen ihrer geologischen Beschaffenheit prädestiniert für die Erdwärmenutzung. Im sogenannten Molassebecken stehen zwei Drittel der 33 deutschen Geothermieanlagen. Aus bis zu 5000 Metern Tiefe wird heißes Wasser an die Erdoberfläche gepumpt, zum Heizen oder Stromerzeugen genutzt und abgekühlt zurückgeleitet.