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Falscher Polizist wegen Betrugs vor Gericht

München (dpa/lby) – Er soll als falscher Polizist vier Menschen um mindestens 20 000 Euro betrogen haben – zum Auftakt des Prozesses hat der 24-jährige Angeklagte geschwiegen. Seine Anwältin erklärte am Montag vor dem Landgericht München I, ihr Mandant werde sich zu den Vorwürfen zunächst nicht äußern.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft riefen der Mann und mehrere Komplizen zwischen Ende 2014 und Anfang 2015 mit einer manipulierten Telefonnummer von der Türkei aus bei insgesamt 33 älteren Menschen in München an und gaben sich als Polizeibeamte aus. Besonders häufig wählten sie Nummern im Stadtteil Grünwald. Viermal sollen sie Opfer dazu gebracht haben, Bargeld, EC-Karten und Schmuck vor die Tür zu legen. Sie erzählten den Gesprächspartnern, ihr Name sei auf einer Liste möglicher Einbruchsziele, deshalb sollten Beamte in Zivil die Habseligkeiten abholen.

Eine Seniorin wurde um rund 12 000 Euro betrogen, in drei weiteren Fällen betrug der Schaden jeweils mehrere Tausend Euro. Hinzu kämen schwere emotionale Folgen, sagte ein als Zeuge geladener Ermittler: «Die Opfer schämen sich in Grund und Boden, viele verkümmern förmlich.» Eine betrogene Seniorin habe bei der Vernehmung durch die Polizei «bitterlich geweint».

Laut dem Kriminalkommissar nutzten Täter die Masche zunächst im Norden Deutschlands, bevor sich in München die Fallzahlen häuften. Einer weiteren Ermittlerin zufolge hat das Vorgehen praktisch vollständig den bislang bekannten Enkeltrick abgelöst.

Die Ermittler kamen dem Telefonbetrüger-Netzwerk auf die Spur, nachdem ein Aussteiger von den Hintermännern bedroht worden war. Der Komplize hatte die Wertsachen von den Opfern abgeholt, zu Geld gemacht und dieses an die Mittäter in der Türkei überwiesen. Er wandte sich an die Polizei und beschuldigte den heute 24-Jährigen als Drahtzieher. Der mutmaßliche Täter wurde verhaftet, als er im Februar dieses Jahres nach Deutschland reiste.

In mehreren Bundesländern berichtet die Polizei von steigenden Fallzahlen des Polizeitricks. Nach Auskunft des bayerischen Landeskriminalamts handeln die Täter fast immer von Callcentern in der Türkei aus. Vor Ort würden dann sogenannte Abholer eingesetzt, um die Beute in Empfang zu nehmen. Ältere Menschen würden zum Ziel des Betrugs, weil sie großes Vertrauen in staatliche Institutionen hätten. Zudem seien viele von ihnen sozial isoliert und nicht über die aktuellen Methoden der Kriminellen informiert.