© Fabian Sommer

Mordfall Johanna: Erfolg dank aufmerksamer Bürger

Gießen (dpa) – Aufmerksamen Passanten und einer verbesserten Technik zum Fingerabdruck-Vergleich ist zu verdanken, dass ein Tatverdächtiger 18 Jahre nach dem Mord an der achtjährigen Johanna festgenommen werden konnte.

Der 41-Jährige sitzt seit Mittwoch wegen Mordes und besonders schwerer sexueller Nötigung in Haft. Er soll das Mädchen 1999 in den Kofferraum seines Autos gezerrt und gefesselt haben. Laut Staatsanwaltschaft hat der Mann gestanden, dass er sich sexuell an dem Kind vergangen und es dann getötet hat.  

Wie Staatsanwaltschaft und Polizei am Donnerstag in Gießen berichteten, brachte ein anderer Missbrauchsfall die Ermittler auf die Spur des Tatverdächtigen. Spaziergänger hätten im August 2016 einen Mann bei «Fesselungs-Spielen» mit einer 14-Jährigen in einem Maisfeld in der Wetterau beobachtet, berichtete der Sprecher der Staatsanwaltschaft Gießen, Thomas Hauburger. Daraufhin habe man den Mann, der bereits früher zu den Verdächtigen zählte, erneut unter die Lupe genommen und in seiner Wohnung Beweismaterial gefunden. 

Der «Durchbruch» in den Ermittlungen habe man dank einer «minimalen Fingerabdruckspur» erzielt: Der abgeschnittene und verzerrte Fingerabdruck war auf einem Stück Klebeband gewesen, mit dem Johanna gefesselt war. Er sei identisch gewesen mit dem linken Daumen des Tatverdächtigen, sagte Hauburger. Der Mann war bereits früher unter den Verdächtigen gewesen, da er das Automodell fuhr, nach dem gefahndet wurde. Damals seien auch Fingerabdrucke genommen worden, aber die Technik sei damals noch nicht so weit gewesen, um ihn damit zu überführen. 

Der 41-Jährige ist laut Staatsanwaltschaft ledig, kinderlos, ohne Beruf und vorbestraft – allerdings wegen Betäubungsmittel- und Verkehrsdelikten. Die Ermittler hatten auch geprüft, ob es einen Zusammenhang zu ungeklärten Fällen gibt, bei denen Mädchen ermordet oder missbraucht wurden – doch das bestätigte sich nicht. Der Fall aus dem Maisfeld von 2016 wurde noch untersucht. In der Wohnung des Mannes fand die Sonderkommission massenweise Kinderpornografie. Der Leiter der Soko «Johanna», Roland Fritsch, sprach am Donnerstag in Gießen von 17 Millionen Dateien, darunter Hunderte Datenträger und Hunderte Videokassetten. 

Der Verdächtige habe nach den bisherigen Erkenntnissen weder Johanna noch ihre Familie gekannt, sagte Staatsanwalt Hauburger. In den Vernehmungen habe er sich für den Tod des Mädchens verantwortlich gezeigt, diesen aber mehr als Unfall dargestellt. «Wir schenken dieser Einlassung momentan allerdings keinen Glauben», sagte Hauburger. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Verdächtige Johanna tötete, um einen vorangegangenen Missbrauch zu verdecken.

Es gebe derzeit «keine belastbaren Hinweise», dass der Mann für weitere Missbrauchsfälle, Morde oder das Verschwinden von Mädchen verantwortlich ist, sagte der Leiter der Sonderkommission, Roland Fritsch. Es werde nun aber mit Hochdruck weiter ermittelt, um ähnliche unaufgeklärte Fälle in ganz Deutschland zu überprüfen.