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Mehr Wildkatzen in Bayern nachgewiesen: Geschätzt 700 Tiere

Nürnberg (dpa/lby) – Nach ihrer Ausrottung im Freistaat siedelt sich die inzwischen streng geschützte Wildkatze wieder vorsichtig in Bayern an. Mit einer aufwendigen Untersuchung hat der Bund Naturschutz (BN) in diesem Jahr mehr der Tiere nachweisen können. Inzwischen gebe es im Freistaat schätzungsweise etwa 700 Exemplare, teilte der Verband am Freitag in Nürnberg mit. «Die Population ist aber noch zu gering, um von einer dauerhaften Sicherung der Wildkatze auszugehen», sagte BN-Chef Hubert Weiger. Dies werde sicher noch Jahrzehnte dauern.

Vor zwei Jahren war man noch von etwa 100 Tieren weniger ausgegangen. Die neue Zählung mit Hilfe von Ehrenamtlichen erfolgte bereits im Frühjahr 2017. Sie verteilten Holzlatten, an denen Baldrian als Lockstoff angebracht war. An den Latten haftende Katzen-Haare wurden dann im Labor genetisch untersucht.

In sechs Landkreisen in Unterfranken, Niederbayern, Schwaben und der Oberpfalz, in denen bislang keine Wildkatzen nachgewiesen waren, wurde gezielt nach den Tieren gesucht: 23-mal mit Erfolg – wobei die Wissenschaftler nicht sagen können, ob es sich dabei teilweise um die gleichen Tiere handelt. Neu nachgewiesen wurden die Katzen in den Landkreisen Miltenberg, Würzburg und Schweinfurt. Erstmals gelang anhand eines Katers zudem der Nachweis, dass Wildkatzen aus der Rhön rund 40 Kilometer bis nach Schweinfurt wandern.

Wildkatzen fühlen sich in naturnahen Laubwäldern wohl. Daher kommen sie vor allem im Nordwesten Bayerns vor – Spessart, Rhön und die Haßberge sind ihre Hauptverbreitungsgebiete. Über den Jurabogen breiteten sich die Katzen bis nach Schwaben aus. Die Katzen brauchen dafür zusammenhängende Waldgebiete, deren Schutz sie nicht verlassen. In der Mitte Deutschlands gibt es die Tiere besonders häufig. Die Weibchen leben mit ihren Jungen in Familienverbänden, Kater sind laut Weiger umherziehende Einzelgänger.

Die Europäische Wildkatze, die nichts mit verwilderten Hauskatzen zu tun hat, ist eine «Ureinwohnerin» Bayerns: Sie durchstreifte die Wälder schon lange bevor die Römer die ersten Hauskatzen aus Afrika mitbrachten. In Bayern war der harmlose Mäusejäger mit dem buschigen Schwanz um 1930 durch Verfolgung ausgestorben. 1984 startete der Bund Naturschutz ein Zuchtprogramm mit Wiedereinbürgerung und setzte bis 2009 vor allem im Spessart mehr als 600 Wildkatzen aus. Laut den genetischen Untersuchungen paaren sich Wildkatzen kaum mit Hauskatzen, obwohl sie sich zunehmend den Lebensraum Wald teilen.

In Zeiten des Klimawandels könnten die Waldbewohner laut Weiger wichtiger werden: «Durch fehlende harte Winter könnten die Mäusepopulationen wachsen und Schäden an Pflanzen verursachen.»