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Handyspielen beeinträchtigte Arbeit des Fahrdienstleiters

Traunstein (dpa) – Das verbotene Handyspielen hat die Arbeit des Fahrdienstleiters im Stellwerk von Bad Aibling nach Einschätzung eines Gutachters beeinträchtigt. Gedächtnisstörungen seien dadurch selbst in Spielpausen möglich gewesen, sagte der Neuropsychologe am Donnerstag im Prozess um das Zugunglück in Oberbayern. Das Spielen auf dem verkleinerten Display eines Smartphones «setzt zusätzliche Konzentration voraus», ergänzte der Sachverständige vor dem Landgericht Traunstein. Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass der Angeklagte durch die Handynutzung von der Arbeit abgelenkt wurde.

Der Fahrdienstleiter hatte zu Prozessbeginn gestanden, trotz Verbots bis kurz vor dem Zusammenstoß der beiden Züge am 9. Februar auf seinem Handy das Fantasy-Rollenspiel «Dungeon Hunter5» gespielt zu haben. Bei dem Unglück starben zwölf Menschen, fast 90 wurden teils lebensgefährlich verletzt.

Weiter sagte der Gutachter, dass das Belohnungssystem des Spiels das Suchtverhalten fördere. «Das wollen die Spielemacher ja.» In den letzten Wochen vor dem Unglück habe der Angeklagte immer öfter und länger am Computer gespielt, berichtete der Experte. Von einer Spielsucht wollte der Psychologe nicht sprechen, wohl aber von einem «problematischen Spielverhalten». Er bescheinigte dem psychisch gesunden 40-Jährigen ein allgemein gutes Gedächtnis.