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Umbruch bei Brennern: Obstbrände gefragt

Veitshöchheim (dpa/lby) – Bayerns Brennerbranche steht vor einem Strukturwandel. Wegen des wegfallenden Branntweinmonopols zum Jahresende lohnt sich für viele der etwa 4000 Brenner im Freistaat die Alkoholproduktion nicht mehr. «Es werden mit Sicherheit einige Brenner aufhören, weil sie ohne das Monopol keine Wirtschaftlichkeit mehr sehen», sagte Mathias Krönert von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim der Deutschen Presse-Agentur.

Die genauen Auswirkungen seien aber noch nicht absehbar. Bislang seien die Mitgliederzahlen in Franken noch nicht rückläufig, so der Fachberater für Brennereiwesen. Bange ist ihm nicht: «Die Szene ist im Aufbruch. Es kommen viele junge Leute nach. Vor allem Quereinsteiger, die mit sehr innovativen Gedanken in die Brennerszene reinkommen.»

Um trotz einer Besteuerung von 10,22 Euro pro Liter reinem Alkohol kostendeckend arbeiten zu können, muss gute Qualität im Glas und in der Flasche sein. «Deshalb kann eine Literbuddel Schnaps für acht Euro nie ein guter Brand sein. Mindestens 15 Euro für den halben Liter darf ein guter Edelbrand kosten», sagte Krönert.

Im Moment seien in Bayern vor allem die sortenreinen Schnäpse im Trend: «Obstbrände sind in. Dabei wird viel Wert gelegt auf sortenreine Brände von alten Streuobstsorten.» 2500 Apfelsorten gebe es hierzulande. «Da kann man sich vorstellen, welche geschmackliche Vielfalt da möglich ist.»

Im Freistaat befindet sich die bislang bundesweit einzige Brennerausbildung für Kleinbrenner. Rund 100 Absolventen haben diese abgeschlossene Berufsausbildung bereits in der Tasche.

«Die meisten kommen aus einem Familienbetrieb und übernehmen die Geschicke nun mit ganz eigenen Produkten», sagte der Fachberater. Fassgelagerte Brände sind ein Beispiel für exotischere Varianten. Gleichzeitig gestalten die neuen Chefs ihre Verkaufsräume für die regionale Vermarktung zu modernen Destillatheken um.

Rund 1700 bayerische Brenner sind in Franken aktiv, wo vor allem Kirschen, Zwetschgen und Korn verarbeitet werden. Am Bodensee liegt der Schwerpunkt auf dem Apfel, und in Südostbayern kommen vor allem der klassische Obstler und Schnäpse aus Quitte und Vogelbeeren ins Glas.

Einen Überblick über die bayerischen Brenner und ihre Produkte, darunter auch Gin und Whiskey, bietet am Wochenende (4./5. November) die Messe Desta in Volkach. Die bayernweit einzige Brenner-Messe richtet sich sowohl an Verbraucher als auch an Fachbesucher.