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17 Tote bei Bootsschleusung im Mittelmeer: Zeugenanhörung

Traunstein (dpa/lby) – Im Traunsteiner Prozess um eine tödliche Schleusung im Schlauchboot übers Mittelmeer werden heute Überlebende und Angehörige der Opfer als Zeugen erwartet. Seit einer Woche muss sich ein mutmaßlicher Schleuser erneut vor dem Landgericht Traunstein verantworten. Er soll im September 2015 mehrere Flüchtlinge für die Fahrt vermittelt haben. Das mit gut 50 Menschen besetzte und unbeleuchtete Schlauchboot war nach kurzer Fahrt in der Nacht mit einem Frachter zusammengestoßen. Dabei kamen 17 Flüchtlinge ums Leben.

Im Sommer 2017 hatte das Landgericht Traunstein drei Männer, alle selbst Flüchtlinge aus Syrien, wegen der Schleusung verurteilt. Das Gericht blieb dabei aber teils weit unter den Anträgen der Staatsanwaltschaft. Der 30-jährige Hauptangeklagte bekam damals vier Jahre Haft wegen gewerbsmäßiger Schleusung.

Die Anklagebehörde legte Revision ein. Sie hatte unter anderem verlangt, den Mann auch wegen Schleuserei mit Todesfolge zu verurteilen. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil Ende 2018 auf. Nun wird sein Fall vor einer anderen Kammer des Landgerichts neu verhandelt.

Der Flüchtling, der das Boot führte, wurde 2017 zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Nur ihn sprach das Gericht damals der Schleuserei mit Todesfolge schuldig. Den dritten einschlägig vorbestraften Angeklagten, der sich um Geldtransfers kümmerte, verurteilte das Gericht unter Einbeziehung einer früheren Strafe zu zwei Jahren Haft auf Bewährung. Diese beiden Männer müssen sich nicht erneut verantworten.