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Angeklagte fand Versklavung von Jesiden «fürchterlich»

Frankfurt/Main/München (dpa/lby) – Die in München wegen Mordes und Kriegsverbrechen angeklagte mutmaßliche IS-Terroristin Jennifer W. fand die Versklavung von Jesiden im Irak nach eigenen Angaben «fürchterlich». Das sagte sie am Freitag vor dem Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt, wo sie im Prozess gegen ihren früheren Ehemann aussagte, der – wie sie selbst in München – wegen Mordes an einem fünf Jahre alten jesidischen Mädchens vor Gericht steht. Der Mann soll das Mädchen als Bestrafung bei glühender Hitze an ein Fenster im Hof seines Hauses gebunden haben. Das Kind starb qualvoll, so der Vorwurf der Bundesanwaltschaft. Die 29-Jährige aus Lohne in Niedersachsen soll dabei tatenlos zugesehen haben.

Ihr damaliger Mann habe das Kind und deren jesidische Mutter, die beide bei ihnen im Haus lebten, geschlagen. Sie habe das aber nicht einfach hingenommen, sondern gefragt: «Was soll das», sagte sie in ihrer Aussage. Sie sei aber nicht dazwischen getreten, weil sie sich vor ihrem Mann gefürchtet habe. Eine eigene Rolle als Nutznießerin von Sklavenhaltung konnte sie nicht erkennen: «Ich verstehe auch nicht, warum sie so schlecht auf mich zu sprechen ist», sagte sie, als ihr Teile der Zeugenaussage der Jesidin vorgehalten wurden.

Ihr eigener Prozess vor dem Oberlandesgericht (OLG) München soll am Montag weitergehen. Sie hat bereits eingeräumt, sich im Irak der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) angeschlossen zu haben. Es wird erwartet, dass sie sich auch dort weiter zu den Vorwürfen äußert. Bislang hatte ihre Verteidigerin in München nur eine Einlassung ihrer Mandantin verlesen. In Frankfurt sprach die 29-Jährige selbst und antwortete auf Fragen des Gerichts, nicht aber auf Fragen der Bundesanwaltschaft und der Nebenklage.

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