© Patrick Seeger

Anne-Sophie Mutter spielt Konzert Holocaust-Überlebender

Eresing (dpa) – Mit einem außergewöhnlichen Konzert hat die Weltklasse-Geigerin Anne-Sophie Mutter an das Befreiungskonzert jüdischer Holocaust-Überlebender im katholischen Kloster St. Ottilien in Eresing (Landkreis Landsberg a. Lech) vor 73 Jahren erinnert. Sie spielte am Sonntagnachmittag in der Klosterkirche zum Abschluss des Klassikfestivals Ammerseerenade Teile jenes Programms, das die jüdischen Musiker am 27. Mai 1945 dort aufgeführt hatten. Zu Gehör kamen unter anderem Franz Schuberts 5. Symphonie in B-Dur, Solveig’s‘s Lied aus Peer Gynt von Edvard Grieg und das Konzert für Violine und Orchester in A-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart. Begleitet wurden Anne-Sophie Mutter und die Sopranistin Hila Baggio in der ausverkauften Kirche vom Orchester der Buchmann-Mehta School of Music Tel Aviv unter Leitung von Zeev Dorman.

Die Missionsbenediktiner von St. Ottilien beherbergten in ihrem Kloster zwischen 1945 und 1948 Tausende Holocaust-Überlebende in einem dort eingerichteten Hospital. In der Zeit wurden 419 sogenannte Ottilien-Babys geboren. Jahrzehnte später kamen nun einige der mittlerweile Erwachsenen aus Israel und München am Sonntag zu dem Gedenkkonzert. Leonard Bernstein, der in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag hätte feiern können, dirigierte das mit befreiten jüdischen KZ-Häftlingen und Zwangsarbeitern besetzte Orchester 1948 im nahen Landsberg a. Lech.

Anne-Sophie Mutter begründete ihren Benefizauftritt 70 Jahre danach folgendermaßen: «Mich berührt die Geschichte von St. Ottilien als Ort der Hoffnung für die wenigen Überlebenden des Holocaust.» Und Bayerns Kunstministerin Marion Kiechle (CSU) sagte: «Diese Veranstaltung ist mehr als nur ein Konzert, es ist lebendige Erinnerungskultur.» Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schrieb in ihrem Grußwort, das Befreiungskonzert vom Mai 1945 berühre bis heute tief.

Charlotte Knobloch, Präsidentin der israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, würdigte die Veranstaltung als ein wichtiges politisches Signal. Dem Gedenken müsse in diesem Land ein wichtiger Platz eingeräumt werden. Das Konzert endete mit dem gesungenen jüdischen Gebet «Avinu Malkeinu» und einer stillen Auskehr der 400 Zuhörer unter Glockengeläut.