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Anschlag von Wien: Bayerische Mutter verklagt Österreich

Wien (dpa) – Rund sechs Monate nach dem Terroranschlag von Wien verklagt die Mutter eines Opfers aus Bayern die Republik Österreich auf die Zahlung von Schmerzensgeld und Schadenersatz. Der Prozess finde am 17. Mai vor dem Landgericht für Zivilrechtssachen in Wien statt, bestätigte eine Gerichtssprecherin am Mittwoch einen Bericht der Zeitung «Die Presse».

Die Mutter einer 24-jährigen Kunststudentin aus Bayern macht geltend, dass die Republik Österreich Hinweisen im Vorfeld des Anschlags nicht genügend nachgegangen sei. «Der Anschlag hätte verhindert werden können», so ihr Anwalt Norbert Wess. Es geht in der Klage um 125 000 Euro. Allein die Begräbniskosten hätten die Zahlung von 2000 Euro nach dem Verbrechensopfergesetz um ein Mehrfaches überstiegen, sagte Wess.

Am 2. November 2020 hatte ein 20 Jahre alte Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) vier Passanten erschossen und 23 verletzt, bevor er selbst getötet wurde. Eine Untersuchungskommission hatte in ihrem im Februar veröffentlichten Bericht erhebliche Pannen im Vorfeld der Tat kritisiert. So sei den Ermittlern ein Treffen des späteren Attentäters mit weiteren Islamisten sowie dessen Versuch eines Munitionskaufs für Militärwaffen bekannt gewesen.

Es habe ernstzunehmende Hinweise auf eine erneute Mitgliedschaft des Verdächtigen in einer terroristischen Vereinigung gegeben, so die Kommission. Das Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) und das Wiener Landesamt für Verfassungsschutz (LVT) hätten nicht effektiv zusammengearbeitet. Der Anschlag war der letzte Anlass für eine inzwischen eingeleitete Reform des Verfassungsschutzes in Österreich.

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