Ausstellung zu Dachauer Prozessen in der KZ-Gedenkstätte

Wie konnten die Besatzungsmächte angesichts der NS-Verbrechen Gerechtigkeit schaffen? Anlässlich des 77. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau widmet sich nun eine Sonderausstellung dieser Frage. Die Ausstellung «Dachauer Prozesse – Verbrechen, Verfahren und Verantwortung» ist seit Freitag in der KZ-Gedenkstätte in Dachau zu sehen, wie die Stiftung Bayerische Gedenkstätten mitteilte.

«Die seinerzeit diskutierten Fragen nach Gerechtigkeit und dem Umgang mit der Vergangenheit sind bis heute aktuell», erläuterte Stiftungsdirektor Karl Freller. Noch während des Zweiten Weltkrieges hatten die Alliierten nach Angaben der Ausstellungsorganisatoren beschlossen, die Täter für die in den Lagern verübten Verbrechen vor Gericht zur Verantwortung zu ziehen. Bei jeder Befreiung sei für dieses Vorhaben Beweismaterial gesichert worden.

Die Ausstellung zeigt, wie anhand von Verhören, Zeugenaussagen von Überlebenden und Dokumenten die Grundlage der Dachauer Prozesse geschaffen wurde. Zudem gibt es Einblicke in einzelne Verfahren und deren Folgen. Die Gerichtsverfahren zogen sich von 1945 bis 1948. Sie gelten als einer der größten NS-Verfahrenskomplexe, stehen aber Freller zufolge immer noch im Schatten der wesentlich bekannteren Nürnberger Prozesse.

Am Sonntag dann soll die offizielle Gedenkfeier zum 77. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers stattfinden. «Im KZ Dachau und den dazugehörigen Außenlagern haben mehr als 41.000 Menschen ihr Leben verloren», schilderte Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) im Vorfeld. «An einem solchen historischen Ort kaum fassbarer Verbrechen wird unmittelbar greifbar, warum die Vermittlung von Menschlichkeit und demokratischem Bewusstsein von unschätzbarem Wert für die nachwachsende Generation ist.»