Menschen warten in einer Schlange vor der Bahnhofsmission am Hauptbahnhof., © Sven Hoppe/dpa/Archivbild

Bahnhofsmission München seit 125 Jahren nah an den Nöten

Ob Reisende oder Gestrandete – die Münchner Bahnhofsmission hilft seit nunmehr 125 Jahren in allen Lebenslagen und hat auch schon Tausenden ukrainischen Flüchtlingen unter die Arme gegriffen. «Der Krieg ging am 24. Februar los, am 28. war er an Gleis 11 vor unserer Tür angekommen», schildert Bettina Spahn, eine der beiden Leiterinnen. Die Münchner Einrichtung ist die älteste Bahnhofsmission in Deutschland in sowohl katholischer als auch protestantischer Trägerschaft und feiert am Freitag ihre Gründung vor eineinviertel Jahrhunderten. Die Helfer im Zentrum der Landeshauptstadt sind oft ganz nah dran, wenn in der Gesellschaft etwas schief läuft.

So ist der Ukraine-Krieg nur ein Beispiel in der langen Geschichte der Bahnhofsmission, bei dem schnelle Hilfe gefragt war. «Wir bekommen solche Wellen oft als erstes mit», erzählt Co-Leiterin Barbara Thoma. «Der Bahnhof ist ein Ort um anzukommen, woher auch immer, und die Leute bleiben erstmal da, wenn es nicht weitergeht.»

Bei aller Unterstützung durch die Politik wünschen sich die beiden Verantwortlichen deshalb: «Es ist wichtig, dass schneller reagiert wird, wenn wir sagen, da ist eine Situation, die ist außergewöhnlich, da muss was passieren. Das dauert manchmal schon, bis wir so gehört werden, dass auch wirklich Entlastung kommt.»

Eine Entwicklung, die den Profis seit der Pandemie vermehrt auffällt und die sich mit der steigenden Inflation in den vergangenen Wochen rasant verstärkt hat: Es kommen vermehrt Menschen, die zwar eine Wohnung, teils auch eine Arbeit haben, aber trotzdem um ein Schmalzbrot bitten. «Immer mehr Menschen fragen nach materieller Unterstützung. Mitte des Monats ist bei vielen jetzt das Geld für Essen weg, das war sonst eher am Monatsende», schildert Spahn. Auch suchten immer mehr Menschen mit psychischen Problemen Hilfe.

Rund ums Jahr rund um die Uhr sind die rund 20 Haupt- und 140 Ehrenamtlichen für Menschen in Notlagen da. In «normalen Zeiten» stehen etwa 500 Menschen pro Tag vor der Tür der Bahnhofsmission, manche auch mehrfach am Tag, berichtet Thoma. Das Team versucht, ihnen so weiterzuhelfen, dass sie weiterkommen – ob bei einer Notlage auf einer Reise oder in schwierigen Lebenslagen.

Und das verlässlich auch dann, wenn zusätzliche Herausforderungen wie eine Flüchtlingsbewegung bewältigt werden müssen. «Deswegen sind ja nicht alle anderen Themen und Probleme im sozialen und gesellschaftlichen Bereich auf einmal weg», betont Spahn. Der Fokus der Bahnhofsmission liege dabei auf der Notversorgung der von Armut betroffenen Menschen und sozialer Beratung mitsamt Vermittlung in die passenden Hilfeangebote. Am Anfang stehe dabei stets das Zuhören, betont Spahn: «Was bei allen hinter der ganz akuten Notlage dahintersteckt, ist eine allgemeine gesellschaftliche Bedürftigkeit nach Kontakt, nach Gespräch, nach Verstandenwerden.»