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Bauern setzen auf Hanf: Zurückhaltung bei Cannabis

München (dpa/lby) – Auch mit der geplanten Legalisierung von Cannabis in Deutschland sieht Bauernpräsident Walter Heidl keinen baldigen Anbau-Boom auf Bayerns Feldern. «Die Regeln und Vorgaben für die Erzeugung werden auch in Zukunft streng sein. Ich sehe deswegen im Moment kein größeres Potenzial», sagte der Präsident des Bayerischen und Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes.

Der Anbau sei aufwendig und bereits jetzt beim Anbau für medizinische Zwecke stark reglementiert. Er gehe davon aus, dass diese Standards auch bei einer Legalisierung als Genussmittel gelten würden, sagte Heidl der Deutschen Presse-Agentur.

Der Referent des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) Anton Huber sagte dazu dem Sender Antenne Bayern, es gebe bereits Landwirte, die Interesse am legalen Anbau von Cannabis haben. «Unsere Landwirte sind im Allgemeinen sehr innovationsfreudig. Noch sind die Anforderungen nicht bekannt. Wenn es sich aber rechnet, wird sicher der ein oder andere Landwirt in den Anbau einsteigen», sagte Huber dem Sender.

Der Anbau von Nutzhanf hingegen boomt schon jetzt. Seit 2018 habe sich die Anbaufläche in Bayern bereits vervierfacht auf 715 Hektar im Jahr 2021, sagte Heidl. Der Faserhanf sei vielseitig einsetzbar – für Treibstoff und für verschiedene Materialien: als Dämmmaterial anstelle von aufgeschäumtem Styropor über Kleidung bis hin zum Plastikersatz etwa als Armaturenbrett im Auto. «Da sehe ich viele Möglichkeiten.» Im Straubinger Technologie- und Förderzentrum für Nachwachsende Rohstoffe werde an Sorten geforscht, die hierzulande gut reifen.

Die Koalition aus SPD, Grünen und FDP plant eine kontrollierte Abgabe von Cannabis «an Erwachsene zu Genusszwecken in lizenzierten Geschäften». Dadurch würde «die Qualität kontrolliert, die Weitergabe verunreinigter Substanzen verhindert und der Jugendschutz gewährleistet», heißt es im Koalitionsvertrag.

Gegen die Legalisierung von Cannabis als Genussmittel kommt gerade aus Bayern Widerstand; der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sieht darin eine große Gefahr. Auch Heidl sagte: «Ich habe mit der Legalisierung ein Problem.»

Heidl steht seit 2012 an der Spitze des BBV. 2022 wird er nach zehn Jahren nicht mehr antreten, wie der Niederbayer Mitte des Jahres bekannt gab. Ein Kandidat hat bereits seinen Hut in den Ring geworfen für die Nachfolge: Der 54-jährige Stefan Köhler aus Unterfranken ist Präsident des dortigen Bezirksverbandes und Vorsitzender des Umweltausschusses im Bauernverband.

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