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Expertenalarm: LGBTIQ werden noch zu oft diskriminiert

München (dpa/lby) – In Bayern erleiden Homosexuelle, Bisexuelle und Transsexuelle (LGBTIQ) im Alltag trotz diverser Gesetzesänderungen nach wie vor massive Diskriminierungen. Bei einer Anhörung im Landtag zur Akzeptanz von LGBTIQ-Personen im Freistaat fiel das Fazit von einem Dutzend geladener Experten am Donnerstag eindeutig aus: Das Land hinkt deutschlandweit bei ihrer Förderung hinterher. «Bayern ist das einzige Bundesland, das weder einen Aktionsplan gegen Homo- und Transphobie in Vorbereitung noch umgesetzt hat», sagte Hannah Lea, Vorständin des bayerischen Lesben- und Schwulenverbandes, in München.

Ihre Organisation kämpfe schon lange dafür, dass LGBTIQ-Personen als selbstverständlicher Teil der Gesellschaft akzeptiert und respektiert würden. «Da ist in Bayern noch viel zu tun», betonte Lea.

Obwohl seit 2017 in Deutschland gleichgeschlechtliche Paare heiraten können und es seit einem halben Jahr die sogenannte «dritte Option» im Personenstandsgesetz gibt, sei die Akzeptanz für LGBTIQ bundesweit weiterhin nur schwach ausgeprägt, sagte auch Stefan Timmermanns, Professor für Sexualpädagogik von der Universität Frankfurt/Main. Die Zahlen zu Diskriminierungsfällen gingen nicht zurück, letztlich sei die Akzeptanz auch nur oberflächlich vorhanden.

Auch Vertreter anderer Vereine beklagten, dass es in Bayern keinen Aktionsplan gebe, der die Akzeptanz von Schwulen, Lesben und Transsexuellen verbessere. «Es ist an der Zeit, dass auch das Land Bayern in die Verantwortung geht und Gelder zur Verfügung stellt», sagte Kai Kundrath, Geschäftsführer des Schwulen Kommunikations- und Kulturzentrums in München. In der Landeshauptstadt und in Nürnberg sei die Lage besser, darüber hinaus gebe es aber keine Infrastruktur.

Dies führe dazu, dass Beratungen in München aus dem ganzen Land angefragt würden, was aber nicht geleistet werden könne, betonte auch Julia Bomsdorf von der Beratungsstelle des Vereins Lesbentelefon. Ferner klagten die Experten, dass es zu wenige gut ausgebildete Berater gebe – dies gelte gerade für Kinder- und Jugendliche.

Petra Weitzel, Vorsitzende der Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität betonte, dass gerade Transsexuelle in der Arbeitswelt mit vielen Problemen und fehlender Anerkennung zu kämpfen hätten. «17 bis 21 Prozent aller Trans-Personen sind arbeitslos», sagte sie unter Verweis auf mehrere Studien. Damit liege die Quote vierfach höher als im bundesweiten Durchschnitt. Unternehmen würden sich zu selten Gedanken darüber machen, wie mit Mitarbeitern umzugehen sei, die etwa ihren Namen oder ihr Geschlecht geändert haben.

Aus Angst vor negativen Konsequenzen auf der Arbeit würden sich ein Drittel der Homosexuellen und bis zu 70 Prozent der Trans-Personen nicht auf Arbeit outen oder auch nur über ihr Privatleben sprechen, sagte Steffi Grimm, Vorständin des Vereins Wirtschaftsweiber.

Auch bei der Strafverfolgung gebe es – so der Tenor der Experten – zu wenig geschulte und sensibilisierte Mitarbeiter bei Justiz und Polizei, um homo- und transphobe Hassgewalt aufzuklären. Bei Betroffenen gebe es längst ein großes Misstrauen, weshalb auch Straftaten gar nicht mehr angezeigt würden, sagte Markus Oswald, Staatsanwalt aus Berlin.

Großen Änderungsbedarf beklagten die Experten auch für den Umgang mit homosexuellen und transsexuellen Flüchtlingen. Obwohl LGBTIQ ein Asylgrund sei, gebe es etwa keine Schutzbereiche in den Unterkünften. Dadurch seien in den Gemeinschaftsunterkünften die Betroffenen aber schutzlos und ohne Privatsphäre fortwährend einer massiven Diskriminierung unterworfen. Laut Kundrath ist zudem oft Homophobie ein Grund, weshalb Asylanträge abgelehnt würden.