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Bayern öffnet zu Pfingsten: Perspektive für viele Schüler

München (dpa/lby) – Das Wetter im Freistaat fühlt sich kurz vor Pfingsten eher nach April an. Doch die Politik hält Öffnungen zum Ferienstart angesichts der inzwischen in Landesdurchschnitt auf rund 80 gesunkenen Zahl der Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen für angezeigt. Theater, Sportstadien, Fitnessstudios und Schwimmbäder – an vielen Stellen öffnen sich zu Pfingsten Tore, die lange verschlossen waren. Nach den Ferien geht es auch in den Schulen aufwärts, sofern der Trend bei den Inzidenzen sich nicht wieder umkehrt.

«Es ist auch wieder Zeit für ein besseres Gefühl in der Corona-Zeit», sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) nach einer Sitzung seines Kabinetts am Dienstag in München. Und Vize-Regierungschef Hubert Aiwanger von den Freien Wählern fügte hinzu: «Wir können mit Optimismus in die Pfingstferien gehen.» Es gab aber auch warnende Worte, die indische Corona-Variante, die sich gerade in Großbritannien ausbreite, sei nicht zu unterschätzen.

Die Entscheidungen und Aussagen des Kabinetts zur Corona-Krise im Einzelnen:

SCHULEN: Nach den Pfingstferien soll es kaum noch reinen Distanzunterricht in Bayern geben. Dieser wäre nur in Regionen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 165 und mehr angezeigt – davon gibt es derzeit nur vier Kreise und kreisfreie Städte im Freistaat. Nach den Ferien, so die Hoffnung, ist auch dort zumindest Wechselunterricht möglich. Eine Mehrheit der Schülerinnen und Schüler könnte dann sogar – für den Rest des Schuljahres – reinen Präsenzunterricht genießen. Allerdings: Maske und Selbsttest bleiben verpflichtend, sagte Söder. Grund sei, dass die Inzidenz unter Teenagern besonders hoch sei.

Die neuen Regelungen nach den Ferien sollen für alle Schularten und Jahrgangsstufen dort gelten, wo die Inzidenz unter 50 liegt. In Landkreisen und kreisfreien Städten mit Werten zwischen 50 und 165 gibt es auch nach dem 7. Juni demnach lediglich Wechselunterricht. Nach den bisherigen bayerischen Corona-Regeln wäre bei einer Sieben-Tage-Inzidenz unter 50 lediglich an Grundschulen Präsenzunterricht für alle erlaubt. Am Dienstag lag schon gut ein Dutzend Regionen unter diesem Wert. «Mit diesem richtungsweisenden Beschluss haben die Schüler, die Eltern und die Schulen einen klaren Fahrplan für mehr Präsenzunterricht bis zum Schuljahresende», sagte Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler).

KITAS: Auch in Kitas wird gelockert: Nach den Pfingstferien ist bis zu einer Sieben-Tage-Inzidenz von 165 eingeschränkter Regelbetrieb in festen Gruppen möglich. Bislang liegt der Grenzwert, ab dem es nur noch Notbetreuung geben darf, bei 100. Neu ist, dass die Einrichtungen zweimal wöchentlich Corona-Tests für alle Kinder anbieten müssen – die für die Kinder aber nicht verpflichtend sind. Für Vorschulkinder im letzten Kindergartenjahr gilt der Grenzwert 165 schon ab 25. Mai.

THEATER: Nach ersten Öffnungsschritten für Theater in geschlossenen Räumen kommt zu Pfingsten nun auch für die Freilicht-Theater Entlastung. Unter strengen Hygieneauflagen dürfen sie vor bis zu 250 Zuschauern spielen, wenn die Inzidenz in der betreffenden Region unter 100 liegt. Unter 50 entfällt die Pflicht zum sonst obligatorischen Corona-Test. Auch Laien-Ensembles dürfen wieder proben.

SPORT: Was für Theater gilt, gilt auch für Sportstadien: 250 Zuschauer dürfen sich – entsprechende Test- und Hygieneprotokolle vorausgesetzt – unter freiem Himmel Sportevents ansehen. Wer selbst aktiv sein möchte, kann auch wieder ins Fitness-Studio gehen. Dort gilt FFP2-Maskenpflicht bis zum Gerät sowie – in Gegenden mit einer Inzidenz über 50 – Testpflicht. Ministerpräsident Söder gab das Motto aus: «Click und Fit». Auch die Freibäder dürfen ab Pfingsten wieder öffnen – Gäste bekommen nur mit vorgebuchtem Termin Einlass.

TOURISMUS: In Landkreisen mit einer stabilen Inzidenz unter 100 dürfen zu Pfingsten auch die Hotels und Pensionen, Ferienwohnungen und Campingplätze wieder Touristen empfangen. Auch hier gelten strenge Hygienekonzepte. Das Verfahren ist ähnlich komplex wie bei der Außengastronomie. Der jeweilige Landkreis muss die Öffnungen beantragen und eine Allgemeinverfügung erlassen. Diese kann am achten Tag in Kraft treten, an dem die Inzidenz unter 100 liegt, wie das Gesundheitsministerium erläuterte. Söder kündigte an, keine Tricksereien dulden zu wollen. «Es hilft nicht, besonders nachgiebig zu sein, sondern besonders konsequent», sagte er.

MESSEN: Das Messewesen, eine der am längsten von den Corona-Schließungen betroffenen Branchen, soll spätestens zum 1. September wieder in Gang kommen. Der Blick richtet sich vor allem auf die Internationale Automobilausstellung (IAA). Er habe die Hoffnung, «dass eine IAA mit Hygieneschutzkonzept möglich ist», sagte Söder. Aus der Branche kam umgehend Applaus. «Für unsere Aussteller und Besucher bedeutet das ein Stück weit mehr Planungssicherheit und eine Perspektive für die Herbstmessen», sagte der Geschäftsführer der NürnbergMesse, Roland Fleck. Sein Co-Geschäftsführer Peter Ottmann betonte, die entwickelten Hygienekonzepte garantierten einen sicheren Messebetrieb.

IMPFEN: «Es wird jeden Tag besser», sagte Söder zum Impffortschritt. Auch wenn in den Impfzentren und bei den Hausärzten noch immer über zu wenig Impfstoff geklagt wird. 38 Prozent der Bayern haben inzwischen eine Erstimpfung erhalten, mehr als 10 Prozent sind vollständig gegen Corona geimpft. Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hatte zuvor scharfe Kritik an der Impfstrategie auch in Bayern geübt.

Das Münchner Gesundheitsamt beispielsweise sei erst am Montag vom bayerischen Gesundheitsministerium informiert worden, dass das Impfzentrum in den kommenden Wochen kaum noch Erst-Impfungen durchführen könne, um Impfstoff für Zweitimpfungen zu sparen. «Das ist nicht die Strategie, die ich mir vorstelle und erfüllt auch nicht das, was uns Kommunen von Monat zu Monat immer wieder aufs Neue zugesagt wurde», sagte Reiter.

Kritik kam auch aus dem Landratsamt Bamberg: Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) und Landrat Johann Kalb (CSU) zeigten sich laut Mitteilung vom Dienstagabend verärgert über die Impfstrategie: «Ohne Vorwarnung wurden die Impfzentren heute am späten Nachmittag angewiesen, ab morgen nur noch Zweitimpfungen durchzuführen und alle geplanten Erstimpfungen abzusagen», hieß es.

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