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Städten fällt die Suche nach Fachkräften zunehmend schwer

München (dpa/lby) – Für Kommunen in Bayern wird die Suche nach Fachkräften aus Mangel an geeigneten Bewerbern schwerer. Mit finanziellen Anreizen, mehr Werbung an Schulen und mehr eigener Ausbildung versuchen die Städte dem gegenzusteuern. Als Gründe für die derzeitige Situation sehen die Kommunen zumeist die Konkurrenz aus der Privatwirtschaft und die Alterung der Gesellschaft.

«Derzeit ist der Fachkräftemangel in Bayern so schwerwiegend wie seit den 1970er Jahren nicht mehr», sagt Achim Sing vom Bayerischen Städtetag. Dass die Phase der Hochkonjunktur nun schon so lange andauere, verstärke die Auswirkungen zusätzlich. Für die Kommunen bedeutet das vor allem, dass viele Stellen unbesetzt bleiben.

Bei der Stadt Regensburg fehlt es etwa an IT-Fachleuten, Ingenieuren und Architekten. «Der Bedarf steigt enorm und die ausgebildeten Fachkräfte reichen bei Weitem nicht aus», beschreibt Juliane von Roenne-Styra, Sprecherin der Stadt, die derzeitige Lage. «Unsere Stellenausschreibungen verlaufen hier weitgehend ergebnislos.» Als ein Problem sieht sie die Konkurrenz mit der Privatwirtschaft bei gleichzeitig sehr guter konjunktureller Lage: «Der öffentliche Dienst kann durch die festen Entgelttarife praktisch nichts entgegenhalten.» Selbst Maßnahmen wie eine Arbeitsmarktzulage, also ein Zuschlag zum Gehalt, zeigten kaum Wirkung.

Auch bei der Stadt Nürnberg bleiben zahlreiche Stellen unbesetzt. Es fehlt an Ärzten, Psychiatern und IT-Fachleuten. Die Stadt geht deshalb nun vermehrt auf Messen, dreht Imagevideos und baut auf die Kooperation mit den Hochschulen vor Ort, wie Johannes Sporrer, Sprecher der Stadt Nürnberg, mitteilt. Als Grund für den Fachkräftemangel sieht er vorrangig die Alterung der Gesellschaft. Viele ältere Mitarbeiter gingen in den Ruhestand, so dass Stellen nachbesetzt werden müssten. Gleichzeitig kämen zu wenige Ausgebildete nach.

Besonders schwierig stellt sich die Lage in der Landeshauptstadt München dar. Dort fehlt es an IT-Fachleuten, Ärzten, Ingenieuren und Erziehern. Hier kommen zur starken Konkurrenz aus der freien Wirtschaft noch Faktoren wie die hohen Lebenshaltungskosten und der knappe Wohnraum hinzu, wie Tobias Stephan, Sprecher der Stadt München, mitteilt. Um die freien Stellen dennoch zu besetzen, setzt die Stadt auf Quereinsteiger, die sie dann selbst weiterbildet und auf eine sogenannte Anwerbeprämie für ihre Angestellten. Auch in München setzt man zudem auf die Arbeitsmarktzulage.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Stadt Würzburg. «Wir spüren den Fachkräftemangel vor allem im technischen und sozialen Bereich», sagt Christian Weiß, Sprecher Stadt. Die Zahl der Bewerber sei in allen Bereichen zurückgegangen.

Doch nicht nur Großstädte haben mit dem Fachkräftemangel zu kämpfen. Die Stadt Hof in Oberfranken hat Probleme, Stellen mit Ingenieuren oder Stadtplanern zu besetzen. In Passau und Cham in der Oberpfalz bleiben zwar keine Stellen unbesetzt. Doch die Zahl der Bewerber sei um einiges geringer und die Suche dauere erheblich länger, wie Sigrid Stebe-Hoffmann, Leiterin der Hautverwaltung der Stadt Cham, sagt.

Um die derzeitige Lage für die Kommunen zu verbessern, gelte es, die Vorteile des öffentlichen Dienstes wieder stärker hervorzuheben, erklärt Achim Sing vom Bayerischen Städtetag. «Doch in der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass die Jobsicherheit, die Kommunen bieten, erst bei schwächerer konjunktureller Lage wieder geschätzt wird.»