© Stefan Schaubitzer

Nordkoreanischer Top-Diplomat in Italien verschwunden

Seoul/Rom (dpa) – Ein hochrangiger nordkoreanischer Diplomat ist nach Angaben des südkoreanischen Geheimdienstes seit mehreren Wochen verschwunden.

Der jetzige Aufenthaltsort des Geschäftsträgers der nordkoreanischen Botschaft in Italien, Jo Song Gil, und seiner Frau sei unbekannt, berichtete der Abgeordnete Kim Min Ki am Donnerstag nach Berichten südkoreanischer Sender. Der Geheimdienst habe ihn und andere Abgeordnete hinter verschlossenen Türen über den Fall informiert. Die südkoreanische Zeitung «JoongAng Ilbo» hatte zuvor berichtet, Jo habe Anfang Dezember für sich und seine Familie um Asyl in einem Drittland gebeten.

Der Zeitung zufolge nutzte Jo offensichtlich eine Gelegenheit, sich abzusetzen, nachdem ihn die Regierung in Pjöngjang zurückbeordert habe. Er befinde sich unter dem Schutz der italienischen Behörden. Ob er sich nach Südkorea absetzen wolle, sei unklar. Nach den Informationen des Geheimdienstes verließen Jo und seine Frau bereits Anfang November das Botschaftsgelände mit unbekanntem Ziel. Es habe keinen Kontakt zur südkoreanischen Regierung gegeben.

Aus Kreisen des italienischen Außenministeriums verlautete, dass das Ministerium «seinerzeit» über einen Wechsel von Botschaftsfunktionären unterrichtet worden sei. Einen Asylantrag eines hochrangigen Diplomaten habe es in den vergangenen Wochen nicht gegeben.

Wie die südkoreanischen Sender weiter berichteten, führte Jo seit Oktober 2017 vertretungsweise die Botschaft in Rom, nachdem Italien den eigentlichen nordkoreanischen Botschafter Mun Jong Nam nach dem sechsten Atomtest des Landes im Monat davor des Landes verwiesen habe. Auf die Frage, ob sich der Diplomat weiter in Rom aufhalte, gab es von Seiten des Außenministeriums in Rom keine Antwort.

Jo wäre der höchste Diplomat aus dem weithin abgeschotteten Land seit 2016, dessen Flucht bekannt würde. Damals hatte sich der stellvertretende nordkoreanische Botschafter in London zusammen mit seiner Familie nach Südkorea abgesetzt. Berichte über die Flucht von hochrangigen nordkoreanischen Regierungsbeamten sind selten. Südkoreanische Medien hatten allerdings im vergangenen Jahr berichtet, seit 2015 sei eine unbestimmte Zahl von Diplomaten aus Nordkorea nach Südkorea gekommen.