Ein Junge kauert sich in der Ecke seines Zimmers am Fußboden sitzend zusammen., © Nicolas Armer/dpa/Symbolbild

Betroffenenbeirat soll Gewalt in Kinderheimen aufarbeiten

Ein Betroffenenbeirat soll in München künftig maßgeblich an der Aufarbeitung von Gewalt und Missbrauch in städtischen Heimen und Pflegefamilien mitwirken. Das Gremium habe sich am Vorabend konstituiert und werde auf Augenhöhe mit der unabhängigen Expertenkommission den Blickwinkel Betroffener in den Mittelpunkt rücken, teilte die Stadt München am Dienstag mit.

Bei der Aufarbeitung der Missstände geht es um Kinder, die von der Stadt München in Heimen, Pflege- und Adoptivfamilien untergebracht wurden, teilweise außerhalb Bayerns oder sogar Deutschlands. Es gehe um sexualisierte, psychische, körperliche und behördliche Gewalt. Der Schwerpunkt liege auf den Jahren nach 1945, man werde aber alle Fälle aufarbeiten, die zu Tage kämen.

Ignaz Raab, Vorsitzender der Expert*innenkommission, sprach von einer Kultur der Gewalt. Um diese in ihren unterschiedlichen Formen zu erfassen, sei die Zusammenarbeit mit den Betroffenen essenziell. Zwei der zunächst zehn Beiräte sollen deshalb stimmberechtigte Mitglieder der Kommission werden. Die Berichte ihrer eigenen Gewalterfahrung seien zudem ein zentrales Element für die gemeinsame Arbeit. Zudem solle der Betroffenenbeirat für die Aufarbeitung der Heimerziehung, Pflege und Adoption an einer Kultur mitwirken, die so eine Gewalt nicht mehr zulasse.