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Bierzeltreden beim Gillamoos läuten heiße Wahlkampfphase ein

Abensberg (dpa/lby) – Die traditionellen Bierzeltreden von Spitzenpolitikern beim Volksfest Gillamoos stehen heuer ganz im Zeichen der bayerischen Landtagswahl. Sechs Wochen vor dem Wahltermin am 14. Oktober schicken die Parteien am Montag neben ihren Spitzenkandidaten auch bundespolitische Prominenz ins Rennen. Wie vor einem Jahr anlässlich der Bundestagswahl wird es auch 2018 in den Bierzelten in Abensberg (Landkreis Kelheim) wieder weniger um politische Korrektheit oder Fakten als um derbe Worte, scharfe Attacken, Applaus und jede Menge Bier, Blasmusik und Schweiß gehen.

Bei der CSU tritt Ministerpräsident und Spitzenkandidat Markus Söder ans Rednerpult. Die AfD schickt unter anderem Bundessprecher Jörg Meuthen ins Rennen, die SPD Bundeschefin Andrea Nahles und Spitzenkandidatin Natascha Kohnen. Bei den Grünen spricht neben den beiden Spitzenkandidaten Katharina Schulze und Ludwig Hartmann Ex-Bundeschef Cem Özdemir. Die Rednerlisten komplettieren bei den Freien Wählern Parteichef Hubert Aiwanger, bei der FDP Spitzenkandidat Martin Hagen, bei der ÖDP Spitzenkandidatin Agnes Becker und bei der Bayernpartei Generalsekretär Hubert Dorn. Die Linke verzichtet wie jedes Jahr auf ihre Teilnahme am Gillamoos.

Nachdem in den Umfragen für die Wahl des neuen Landtags zuletzt nur noch wenig Bewegung war und die seit Jahrzehnten regierende CSU mehr denn je um ihre Vormachtstellung im Freistaat bangen muss, dürfte bei den zeitgleichen Rednerduellen ein Frage besonders interessant werden: Wer sendet welche Signale für eine sich andeutende Koalition an die CSU? Die Christsozialen hinkten zuletzt deutlich hinter ihrem Wahlziel, der Verteidigung der absoluten Mehrheit, hinterher.

Der Gillamoos ist einer ältesten Jahrmärkte in Niederbayern, immer rund um das erste Septemberwochenende. Am letzten Tag des fünftägigen Festes treten traditionell Spitzenpolitiker parallel in Bierzelten auf, die nur einen Steinwurf voneinander entfernt sind. Nach dem Politischen Aschermittwoch ist dies das größte Politikspektakel in Niederbayern. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Gillamoos 1313. Mehr als 250 000 Besucher strömen jedes Jahr auf das Volksfest.