BIHK: Energiekrise mit unabsehbaren Folgen für Bayern

Der Bayerische Industrie- und Handelskammertag (BIHK) sieht die Energiepolitik «vor einem Scherbenhaufen». In Deutschland wären 30 Atommeiler oder 21.000 Windkraftanlagen an Land notwendig, um die gleiche Energiemenge zu erzeugen wie mit russischem Erdgas. «Wir laufen geradewegs in eine beispiellose Energiekrise mit unabsehbaren Folgen für den Wirtschaftsstandort Bayern», sagte BIHK-Hauptgeschäftsführer Manfred Gößl am Donnerstag in München.

Industriekunden und private Verbraucher müssten sich auf deutlich steigende Energiepreise einrichten. «Statt ideologisch geprägter Grabenkämpfe braucht es dringend pragmatische Kompromisse und Notfallmaßnahmen», forderte Gößl. Es brauche mehr Einstiege und keine Ausstiege. Alles müsse auf den Tisch, um die Energieversorgung zu stabilisieren. «Dabei darf Bayern bundesweit nicht ins Hintertreffen geraten.»

Die Bundesregierung müsse dafür sorgen, dass der Gasspeicher Haidach, der Süddeutschland versorgt, schleunigst aufgefüllt werde. Die vom Bund vorgesehene Benachteiligung der Wasserkraft gegenüber Wind- und Solarenergie lehne der BIHK ab. 60 Prozent aller deutschen Wasserkraftanlagen seien im Freistaat. Der Ausbau von Wind- und Solarenergie sowie der Stromtrassen müsse uneingeschränkt Vorrang bekommen, mahnte Gößl.

Um den Unternehmen den Umstieg von Erdgas auf andere Energieträger zu erleichtern, müssten die EU-Umweltauflagen schleunigst geändert werden. Weil das Einsparpotenzial der Industrie fast ausgeschöpft sei, müsse Energiesparen als gesamtgesellschaftliche Aufgabe begriffen werden. In der Chemieindustrie sei Erdgas als Rohstoff zur Herstellung von Chemikalien unverzichtbar.