Akten liegen vor einem Prozess in einem Landgericht auf dem Tisch., © Swen Pförtner/dpa/Symbolbild

Bislang keine Spur von flüchtigem Mörder: Kritik

Nach der Flucht eines verurteilten Mörders aus dem Amtsgericht Regensburg hat die Polizei weiter keine Spur von dem Mann. Zu dem Flüchtigen seien bislang 151 Hinweise eingegangen, sagte ein Sprecher der Polizei am Montag. Konkrete Hinweise auf den Aufenthaltsort des Mannes gebe es aber nicht. Auch international wird nach dem 40-Jährigen gefahndet. Ob der Mann bei seiner Flucht Helfer hatte oder sich etwa bereits ins Ausland abgesetzt habe, sei unklar.

Der Verteidiger des am Donnerstag geflohenen Häftlings machte den Verantwortlichen des Amtsgerichts unterdessen Vorwürfe. Der Anwalt Moritz Schmitt-Fricke sagte «Focus Online», die Besprechungsmöglichkeit mit Mandanten sei dort in zweierlei Hinsicht schlecht gelöst. Zum einen kritisierte der Anwalt, dass der Raum über eine schlecht einsehbare Milchglasscheibe verfüge, zum anderen bemängelte er die unverschlossenen Fenster.

Der Häftling war während einer Verhandlungspause durch ein Fenster eines Besprechungszimmers des Gerichts entkommen. Dem Mann wurden für das Anwaltsgespräch laut der Polizei die Fesseln abgelegt. Vor der Tür des Zimmers habe ein Wachposten gestanden, ein weiterer sei noch auf dem Weg vor das Fenster des Zimmers gewesen. Der Häftling sei «innerhalb weniger Sekunden» geflüchtet, hieß es.

Ein Sprecher des Amtsgerichts teilte am Montag auf Anfrage mit, die Richterin habe zuvor angeordnet, dem Angeklagten die Handfesseln abzunehmen, um ihm das Mitschreiben während der Verhandlung zu ermöglichen. Diese Anordnung sei nur für die Dauer der Hauptverhandlung erfolgt. Das Abnehmen von Fußfesseln sei durch die Richterin nicht angeordnet worden.

Das Anwaltszimmer sei zudem nicht gesichert und für Besprechungen mit inhaftierten Angeklagten nicht konzipiert. Weshalb der Angeklagte das Anwaltszimmer ohne Fesselung betreten konnte, könne von hier nicht beantwortet werden, so der Sprecher. Das Zimmer werde bis auf weiteres nur für Rechtsanwälte und nichtinhaftierte Mandanten zugänglich sein.

Der flüchtige Algerier hatte 2011 mit einem Komplizen einen Lottoladen in Nürnberg überfallen und die 76 Jahre alte Besitzerin umgebracht. 2013 wurde er zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt und saß seitdem in Straubing im Gefängnis. Wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte in der JVA musste er sich vor dem Amtsgericht Regensburg verantworten.