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Branchenübergreifender Appell zum Wasserschutz

München/Regensburg (dpa/lby) – Trockenzeiten in den Sommern sowie Verschmutzung durch Nitrat und Pflanzenschutzmittel sind nach Ansicht der Grünen-Fraktion im Bayerischen Landtag mit die größten Gefahren für das Grund- und Trinkwasser. Den Weltwassertag (22. März) nimmt die Partei zum Anlass, einen Forderungskatalog an die Staatsregierung zu richten. Tenor: zügig Maßnahmen zum vorbeugenden Schutz des Wassers umsetzen. Verschiedene Berufsgruppen – Landwirte, Ingenieure, Architekten – nutzen den Weltwassertag ebenfalls, um Projekte voranzutreiben und einen Appell an die Bevölkerung zu richten.

Der umweltpolitische Sprecher der Grünen, Christian Hierneis, warnt laut Mitteilung: Nitrat und Pestizide seien im Grundwasser angekommen, zudem habe sich in Bayern in den vergangenen Jahren durchschnittlich ein Fünftel weniger Grundwasser neu nachgebildet. «Dabei gewinnen wir in Bayern drei Viertel des Trinkwassers aus Grundwasser.»

Die Grünen fordern den Landtag auf, per Beschluss festzustellen, «dass durch den Rückgang der Grundwasserneubildung in den letzten Jahren verstärkte Maßnahmen für den Schutz des Grund- und Trinkwassers in Bayern getroffen und umgesetzt werden müssen».

Dazu zählten der Schutz vor Überdüngung und vor Verschmutzung mit Pestiziden und Arzneimittelrückständen sowie die Unterstützung von Kommunen beim Ausbau von Wasserrückhalte-Infrastruktur, damit beispielsweise für die Toilettenspülung und für Bewässerungsanlagen künftig Regen- statt Trinkwasser verwendet werden kann. Hierneis kritisiert, die Staatsregierung habe vor einem halben Jahr im Landtag angekündigt, den Wasserschutz vorantreiben zu wollen, «doch sechs Monate später scheint sie das wieder vergessen zu haben».

«Das Thema Wasserversorgung hat oberste Priorität», entgegnete Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber am Sonntag in einer Pressemitteilung. Auch Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber erklärte am Sonntag erneut, ein nachhaltiges Bewässerungssystem schaffen zu wollen. Dafür sollen stärker Oberflächengewässer statt Grundwasservorkommen genutzt werden, heißt es in einer Pressemitteilung des Ministeriums. Im Winter soll Flüssen Wasser entnommen und in Becken für die spätere Bewässerung gespeichert werden.

«Statt wohlklingende große Ankündigungen zu machen, muss die Staatsregierung aber endlich ihre seit Jahren bestehenden wasserpolitischen Hausaufgaben für Franken machen», forderte der SPD-Abgeordnete Volkmar Halbleib aus Unterfranken in einer Mitteilung am Sonntag. Die Regierung müsse ein umfassendes Konzept für die Bewässerung von Wein, Wald und Landwirtschaft in Franken vorlegen.

Den Wasserschutz haben sich auch verschiedene Branchen auf die Fahnen geschrieben. So haben sich die Bayerische Architektenkammer, die Bayerische Ingenieurekammer-Bau, der Bayerische Städte- und Gemeindetag sowie die Vereinigung für Wasserwirtschaft Abwasser und Abfälle in Bayern zu einem Bündnis zusammengetan. Sie fordern laut Mitteilung Politik, Industrie, Baubranche und die Bevölkerung auf, sensibel mit Wasserressourcen umzugehen. Dazu gehörten unter anderem Hochwasserschutz und Wasserspeicherung bei der Siedlungsentwicklung einzuplanen sowie Flächen wasserdurchlässig zu gestalten statt zu versiegeln.

In der Oberpfalz haben sich elf Wasserversorger aus der Region Regensburg, Burglengenfeld und Neumarkt gemeinsam mit Landwirten nach eigenen Angaben freiwillig verpflichtet, künftig eine grundwasserschonende Landbewirtschaftung zu betreiben und damit zur Sicherung der Trinkwasserqualität beizutragen.

«Als Wasserversorger haben wir die Pflicht, Wasser vor negativen Einflüssen zu schützen und konkrete Maßnahmen gemeinsam mit den praktizierenden Landwirten, Bodenexperten und Hydrogeologen zu ergreifen», sagt Franz Herrler, Vorsitzender der Gruppe «Trinkwasserschutz Oberpfälzer Jura». Verschmutzung des Trinkwassers durch Schadstoffe, wie Nitrat und Pflanzenschutzmittel soll künftig weitestmöglich reduziert oder gar verhindert werden.

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