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Corona-Folgen treiben mehr Menschen in Hartz IV

München (dpa) – Die Zahl der Hartz-IV-Empfänger in Bayern ist in diesem Jahr stark gestiegen. Schon bis Februar wuchs die Zahl der Leistungsempfänger aufgrund der Rezession auf 265 000. Nach dem ersten Corona-Lockdown im Frühjahr sprang die Zahl dann bis Juni auf 301 000, im August lag sie bei gut 295 000 Leistungsempfängern. Das teilte die Bundesagentur für Arbeit am Dienstag mit. Zum Vergleich: Die Zahl der Hartz-IV-Empfänger in Bayern hatte im August 2019 noch bei knapp 272 000 gelegen – das waren fast 23 000 Leistungsempfänger weniger als 2020. Zahlen für den Herbst 2020 lägen der Bundesagentur für Arbeit noch nicht vor und seien mit Blick auf die Novemberhilfen und den zweiten Lockdown auch schwer einzuschätzen, sagte eine Sprecherin am Dienstag in Nürnberg.

Zuvor hatte der Bayerische Rundfunk darüber berichtet. Die BA-Sprecherin erklärte, der Staat habe den Zugang zu Grundsicherung vereinfacht. Davon profitierten auch Solo-Selbstständige und Künstler, die wegen der Lockdowns nicht mehr arbeiten können. Zudem seien die Vermögensgrenzen gesenkt worden, «man darf jetzt mehr Geld angespart haben».

Wie Annette Farrenkopf vom Jobcenter München dem Bayerischen Rundfunk sagte, beziehen allein in München 54 000 Menschen Hartz IV. Die Landeshauptstadt sei bei Kultur, Messe, Tourismus und Gastronomie besonders betroffen.

Die größten Corona-Auswirkungen sieht die Bundesagentur jedoch bei den Arbeitslosen und Kurzarbeitern. Die Anzeigen für Kurzarbeit stiegen aktuell wieder an, sagte die Sprecherin der Regionaldirektion Bayern. Im Oktober wurde Kurzarbeit für 25 000 Mitarbeiter angezeigt, im November für 69 000. Im November waren in Bayern 270 700 Menschen arbeitslos, 71 500 mehr als im Vorjahr.