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Corona-Strategie der Grünen: Millionenfache Schnelltests

München (dpa/lby) – Zur Verhinderung einer weiteren Ausbreitung des Coronavirus setzen die Grünen im bayerischen Landtag in den kommenden Monaten auf massenhafte Corona-Schnelltests. «Das Virus verbreitet sich derzeit über alle sozialen Schichten und Altersklassen hinweg, die Zahlen der Neuinfektionen steigen, insbesondere bei Jüngeren zwischen 20 und 40 Jahren und in diversen systemrelevanten Einrichtungen. Die Fallzahlenentwicklung könnte damit in den kommenden Monaten eine ungute Dynamik bekommen», heißt es im Grundsatzbeschluss der Fraktion mit dem Titel «Mit dem Virus leben». Schließungen von Kitas und Schulen sowie Überlastungen von Kliniken insbesondere aufgrund von erkranktem Personal seien mit allen Mitteln zu verhindern.

Aus Sicht der Grünen könnten die neuen Antigenschnelltests hier eine entscheidende Rolle spielen: «Sie ermöglichen den gezielten Einsatz von Testungen in Abhängigkeit vom jeweiligen Infektionsrisiko und der Schutzbedürftigkeit. Priorität haben müssen Einrichtungen, in denen Menschen mit einem sehr hohen Risiko leben, und die Aufrechterhaltung der systemrelevanten Versorgung.» Getestete müssten innerhalb von 24 bis 48 Stunden getestet, befundet und informiert werden. Gleichwohl setzen auch die Grünen weiterhin auf eine konsequente Umsetzung von Maskenpflicht sowie Abstands- und Hygieneregeln.

Für Schulen und Kitas sieht das Papier der Grünen etwa vor, allen Mitarbeitern, Kindern und Schülern wöchentlich kostenfreie Corona- Antigenschnelltests zur Verfügung zu stellen. Diese sollen von mobilen Teams direkt in den Schulen abgenommen werden. Gleiches gilt für alle Menschen, die mit Pflegeeinrichtungen Kontakt haben, die im Gesundheitswesen oder auch in Gemeinschaftsunterkünften jeglicher Art arbeiten. Auch Unternehmen, in denen etwa Abstandsvorgaben schwer umsetzbar sind, sollen die Schnelltests vermehrt einsetzen.

Im Gegenzug setzen die Grünen auf Lockerungen bei den Corona-Beschränkungen – etwa die Abschaffung des Beherbergungsverbots für Reisende aus innerdeutschen Risikogebieten ohne negativen Corona-Test. Im Falle von notwendigen Quarantäne- oder Isolationsmaßnahmen setzen die Grünen auf eine Begrenzung auf «das Nötige», wie es im Papier heißt. «Wir fordern kürzere Isolationszeiten bis maximal zehn Tage für Kontaktpersonen der Kategorie 1, wenn sie symptomfrei sind und zwei negative Corona-Testergebnisse im Abstand von fünf bis sieben Tagen nachweisen.» Auch Schüler sollen auf diese Art bei Verdachtsfällen freigetestet werden.

«Mit den neuartigen Antigenschnelltests erhalten wir ein gutes Instrument, um wesentliche Einschränkungen stückweise zurückzuführen», sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der Fraktion, Christina Haubrich. Davon könnten Kinder, Heimbewohner und letztlich auch Wirtschaftsunternehmen profitieren. «Indem wir auch Verdachtsfälle schneller identifizieren, können wir an den ersten Gliedern der Infektionsketten ansetzen und breitere Virusstreuungen vermeiden.» Mit einer durchdachten Teststrategie lasse sich das Leben mit dem Virus besser organisieren und die Akzeptanz für weiter nötige Auflagen und Vorschriften steigern.