Ein Pilger trägt während einer Fußwallfahrt ein Holzkreuz., © Armin Weigel/dpa/Archivbild

Den Glauben beim Wandern leben: Wallfahren nach der Pause

Ob als reine Männerrunde, Jugendgruppe oder hoch zu Ross: Mit dem Ende der Corona-Auflagen dürfen Bayerns Wallfahrer in diesem Jahr wieder die Wanderstiefel anziehen und mit Tausenden Gleichgesinnten durch den Freistaat pilgern. «Es ist zu beobachten, dass nach zwei Jahren mit wenig bis keinem Kontakt ein großer „Hunger“ nach persönlicher Begegnung, Austausch, gemeinsamem Erleben und Nähe vorhanden ist», heißt es etwa bei der Erzdiözese München und Freising.

Auch andere Bistümer erzählen von der Vorfreude vieler Gläubiger auf das Gemeinschaftserlebnis, das zuletzt nur eingeschränkt oder digital möglich war. Da die Pandemie noch nicht vorbei ist, sollten sich Interessierte aber über die jeweiligen Teilnahmevorschriften hinsichtlich Impf- und Genesenenstatus informieren.

Gott nah sein, einen Gottesdienst an einer bedeutsamen heiligen Stätte erleben, die Schrecken des Ukraine-Krieges oder der Pandemie kurz vergessen: «Für viele Pilgerinnen und Pilger ist die Wallfahrt ein Fixpunkt im Jahr, wo sie sich auf grundlegende Gedanken und Fragen des Lebens besinnen», erläutert ein Sprecher des Bistums Würzburg. «Mit Fußwallfahrten spricht die Kirche alle Altersgruppen an und zunehmend zahlreiche Menschen, die während des Jahres kaum Kontakt zur Kirche haben, aber dieses spirituelle Angebot gezielt wahrnehmen.»

Die Kiliani-Wallfahrt nach Würzburg rund um den 8. Juli ist die größte und älteste Wallfahrt im Bistum. Die Tradition reicht 1200 Jahre zurück. Sie wird allerdings nicht als geschlossene Fußwallfahrt praktiziert, sondern ist eine Wallfahrtswoche – etwa 10.000 Menschen werden erwartet. Zur Fußwallfahrt von Würzburg zum Kreuzberg in der Rhön, immerhin rund 180 Kilometer, könnten im August etwa 350 Pilger kommen, schätzt die Diözese.

Aus der Reihe fällt die Männerwallfahrt von Bad Königshofen im Grabfeld nach Vierzehnheiligen in Oberfranken. Rund 60 Kilometer sind es zu Fuß am Freitag nach Christi Himmelfahrt – bis zu 400 Männer aus mehr als 60 Ortschaften könnten teilnehmen.

Bei der Almer Wallfahrt in Oberbayern – auch Bartholomä-Wallfahrt genannt – sind Wanderer am 27. August zu einer der ältesten Hochgebirgswallfahrten Europas eingeladen. «Mit einer Maximalhöhe von 2197 Metern und einer Gehzeit von rund neun Stunden stellt sie ein anspruchsvolles alpines Unternehmen dar», erläutert eine Sprecherin der Erzdiözese München und Freising. In den Vor-Corona-Jahren hätten sich mehr als 2000 Frauen und Männer der Herausforderung gestellt.

Beim Willibaldsritt im oberbayerischen Jesenwang, kürzlich aufgenommen in die Liste des Immateriellen Kulturerbes in Deutschland, reiten Hunderte Menschen mit ihren Pferden direkt durch die spätmittelalterliche Wallfahrtskirche Sankt Willibald. Ergänzt wird der Ritt durch ein großes Fest. Das Spektakel findet immer um den Todestag des Heiligen Willibald (7.7.) statt, dieses Jahr am 10. Juli.

Im Bistum Augsburg wird seit einiger Zeit beobachtet, «dass das Phänomen Wallfahrt wieder zunehmend an Popularität gewinnt, allerdings eher in der Form von Einzel- und Kleingruppenpilgern». Vor allem Jugendliche schätzten das Gemeinschaftserlebnis und den Austausch mit Gleichaltrigen etwa bei Ministrantenwallfahrten. Zu den bedeutendsten und meistbesuchten Pilgerzielen zählen in der Diözese die Wallfahrtsorte Andechs, Maria Vesperbild und die Wieskirche, wobei allein die von rund einer Million Besuchern pro Jahr angesehen wird.

Anders als im vergangenen Jahr soll es die Regensburger Fußwallfahrt nach Altötting heuer an Pfingsten wieder geben. Normalerweise nehmen rund 8000 Gläubige die dreitägige, 111 Kilometer lange Tour auf sich. Tausende Pilger kommen dann nach Altötting und beten in der Gnadenkapelle die schwarze Madonna an.