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Diebstähle von Bootsmotoren 2017 stark gesunken

Schwabach/Prien am Chiemsee (dpa/lby) – Außenbordmotoren von Sportbooten sind ein beliebtes Diebesgut, gerade für kriminelle Banden. Erst Anfang der Woche haben Polizisten nahe Würzburg sieben gestohlene Bootsmotoren beschlagnahmt. Mehr als sieben Millionen Euro Schaden entstanden 2016 deutschlandweit durch den Motorendiebstahl, wie Zahlen des Kompetenz-Zentrums Bootskriminalität belegen. 1437 Mal war damals bundesweit ein Außenborder das Ziel der Diebe – noch nie zuvor hatten die Kriminellen so oft zugeschlagen. Die Polizei schätzt den durchschnittlichen Wert der Geräte auf 5000 Euro.

Im vergangenen Jahr allerdings gelangen den Polizisten einige Erfolge, die Zahl der Bootsmotorendiebstähle ging zurück, wie die Deutsche Presse-Agentur vorab aus dem aktuellen Bericht des Zentrums mit Sitz in Konstanz am Bodensee erfuhr. Und die Fahnder waren 2017 erfolgreich: Es wurden in ganz Deutschland gestohlene Boote und Motoren im Wert von 2,6 Millionen Euro sichergestellt. Auffällig ist zudem eine Präventionsaktion der Wasserschutzpolizei am Chiemsee.

Sehr aktiv waren die Diebesbanden am Bodensee, sagte ein Ermittler des Kompetenz-Zentrums. Das liege aber auch schlicht an der dortigen Menge an Sportbooten von rund 60 000 Stück. Doch auch am Chiem-, dem Starnberger See sowie an Kanälen und Flüssen kamen schon Bootsmotoren abhanden, wie Zahlen der Wasserschutzpolizei-Zentralstelle Bayern zeigen. Das bestätigt der Sprecher des für die zwei Seen zuständigen Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, Stefan Sonntag. Diebstähle von Bootsmotoren von den Ufern des Starnberger Sees oder des Chiemsees sind «im Sommerhalbjahr definitiv ein Thema für die Polizei».

Die Kriminellen gehen beim Diebstahl der Motoren häufig gleich vor, wissen die Ermittler: Sie fahren mit einem größeren Boot zum Bojenfeld, knacken das Schloss des Außenbordmotors und transportieren die Beute über das Wasser ab. Oft handle es sich dabei um Banden aus dem osteuropäischen Raum, heißt es beim Kompetenz-Zentrum. «Das sind keine spontanen Aktionen», sagte auch Peter Werner von der Wasserschutzpolizei-Zentralstelle Bayern. Dementsprechend befinden sich viele der gestohlenen Motoren im Anschluss auf dem Weg nach Osten. Die Reise endet aber immer wieder schon verfrüht auf der Autobahn 8 in Oberbayern. Dort zieht die örtliche Polizei die Motordiebe häufig aus dem Verkehr, wie Sonntag sagte.

Im vergangenen Jahr allerdings gelangen den Polizisten einige Erfolge auf dem Gebiet der Bootskriminalität. «Wir haben 2017 ein Rekordtief in Bayern», meldete beispielsweise auch Matthias Janousch von der Wasserschutzpolizei-Zentralstelle. Man wisse von 25 Fällen im Jahr 2017 im Freistaat, davon zwei am Chiemsee, jeweils einer am Starnberger- und Ammersee und immerhin sechs entlang der Donau in Ingolstadt, Regensburg und Passau. Im Jahr zuvor lag die Zahl noch deutlich höher bei insgesamt 53 Motorendiebstählen bayernweit.

Eine besondere Präventionsstrategie fährt die Wasserschutzpolizei Prien am Chiemsee seit 14 Jahren: Sie bietet einmal jährlich Gravieraktionen für Bootsmotoren an. Bootsbesitzer können Motoren kostenlos von den Beamten mit einer individuellen Nummer versehen lassen. Die Geräte haben zwar schon eine Kennung ab dem Kauf zugewiesen bekommen, diese prangt aber oft nur auf einem Aufkleber. «Wenn der abgezogen ist, ist der Motor nicht mehr zuzuordnen», erklärte Roland Kampf von der Wasserschutzpolizei in Prien am Chiemsee. Die dauerhafte Markierung aber sei effektiv: Jeder gravierte Motor bekomme zusätzlich einen auffälligen gelben Sticker, so Kampf. «Es ist schon vorgekommen, dass zahlreiche Motoren geklaut wurden – nur der mit der Gravur und dem Aufkleber blieb zurück.»