© Armin Weigel

Eltern und Schüler: Corona-Unterricht muss besser werden

München (dpa/lby) – Kurz vor einem geplanten Schulgipfel haben bayerische Eltern- und Schülerverbände fehlende Konzepte in Bayerns Corona-Schulpolitik beklagt und schnelle Verbesserungen gefordert. «Wir Eltern werden nicht hinnehmen, dass unsere Kinder durch die Pandemie zu Verlierern werden», hieß es in einem am Montag veröffentlichten gemeinsamen Schreiben der Landeselternvereinigung der Gymnasien (LEV) und des Bayerischen Elternverbands (BEV) an Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler). Auch von Schülerseite wolle man auf «Umstände mit Nachbesserungsbedarf» hinweisen, teilte Christian Mancin, Pressesprecher des Landesschülerrats in Bayern, in einem weiteren offenen Brief mit.

Trotz rasch steigender Corona-Infektionszahlen bleiben Bayerns Schulen und Kitas im Rahmen des Teil-Lockdowns im November geöffnet. Die Staatsregierung hatte zuletzt mehrfach betont, dass die möglichst reguläre Weiterführung der Bildung von Kindern und Jugendlichen in der Corona-Politik oberste Priorität habe. Am Mittwoch soll es ein Gipfelgespräch mit Ministerpräsident Markus Söder (CSU) geben, zu dem laut Kultusministerium auch die Elternverbände eingeladen sind.

In dem mit den Worten «Es geht um unsere Kinder! Ein Brandbrief» eingeleiteten Schreiben der Elternverbände kritisierten diese den Corona-Unterricht im Freistaat aber als planlos und ungerecht. Von einer «gelungenen Erziehungspartnerschaft» könne nicht die Rede sein, weil Eltern zu Ersatzlehrern werden müssten und keine Chancengleichheit gegeben sei: «Der Leistungs- und Bildungsstand des einzelnen Schülers hängt in der Pandemie mehr denn je von elterlicher Unterstützung und Förderung ab», hieß es.

Die Schulen seien wegen der Gefahr, jederzeit wieder auf Distanzunterricht umstellen zu müssen, auf schnelle Notengebung bedacht, was Schüler und Eltern massiv unter Druck setze. Dass oftmals Lernstoff noch nachgeholt werden müsse, werde aber nicht berücksichtigt, beklagten die Elternverbände. Zudem herrsche auch acht Monate nach Beginn der Pandemie «digitales Chaos»: Lizenzdauern für digitale Programme seien zu kurz und die Zahl der gleichzeitig verwendetet Plattformen zu groß.

Die Verbände forderten, den Lehrstoff für das Schuljahr dringend zu priorisieren und landesweite Lernstandserhebungen ohne Noten auf den Plan zu setzen, «ehe weiter auf Teufel komm‘ raus benotet wird». Auch die Grünen-Fraktion im bayerischen Landtag forderte mehr Flexibilität in den Lehrplänen und eine angemessene Regelung zur Notengebung und Anzahl der Leistungsnachweise in diesem Schuljahr.

Vonseiten Mancins vom Landesschülerrat hieß es: «Wir möchten uns davon distanzieren, alles schlecht zu reden und sich nur zu beschweren.» Dennoch dürfe es keine «Notenjagd» aus Angst vor weiteren flächendeckenden Schulschließungen geben.

Auch bei den Lüftungsmaßnahmen gebe es dringenden Nachholbedarf – das bloße Lüften von Klassenräumen allein sei nicht die Lösung und es brauche Luftreinigungs- oder Luftfilteranlangen. «Gerade in der kommenden Winterzeit kann es nicht die Realität sein, dass Schülerinnen und Schüler sich anziehen und ausrüsten müssen, als gingen sie auf eine Polarexpedition», sagte Mancin. Dies hätte nur zahlreiche Grippeinfektionen und Krankheitsausfälle zur Folge.

Kultusminister Piazolo wies die Kritik der Elternverbände in einer Stellungnahme zurück: Durch eine Nachfrage beim Ministerium hätte man direkt in Erfahrung bringen können, dass die Schulaufsicht wegen Beschwerden über zu viele Prüfungen bereits gebeten worden sei, die Situation zu verbessern. Gegen unverhältnismäßig viele Leistungserhebungen an den Schulen spreche auch er sich deutlich aus: «Es besteht überhaupt kein Anlass dazu, Schülerinnen und Schüler mit übertrieben häufigen Proben zusätzlichem Druck auszusetzen.»

Dass es offene Beschwerdebriefe gebe, obwohl er immer zum Gespräch bereit sei, fände er «befremdlich», sagte Piazolo und verwies auf das ohnehin geplante Gipfelgespräch am Mittwoch. «Ich würde mir wünschen, dass wir in dieser Krise zusammenhalten und weiterhin im vertrauensvollen Gespräch zwischen Eltern, Lehrkräften und vor allem den Schülerinnen und Schülern flexible Lösungen finden.»