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Erst testen, dann stechen: Spargelernte in Bayern

Grettstadt (dpa/lby) – Ausländische Erntehelfer dürfen mit negativem Corona-Test kommen, nun muss nur noch das Wetter mitspielen: Bayerns Spargelanbauer stechen schon seit einigen Tagen das edle Gemüse in grün und weiß. Im vergangenen Jahr hatten die Betriebe coronabedingt mit großen Planungsunsicherheiten zu kämpfen, viele der wichtigen Erntehelfer vor allem aus Osteuropa durften nicht einreisen. Heuer besteht nun eine Corona-Testpflicht bei der Einreise, Schnelltests sollen zusätzliche Sicherheit schaffen.

Der SPD in Bayern reicht die Testpflicht aber nicht aus. Zum Schutz vor Corona-Infektionen fordert Generalsekretär Uli Grötsch engmaschige Kontrollen auf den Erntehöfen – notfalls auch durch die Bundeswehr. «Die Bedingungen auf den Höfen haben schon im vergangenen Jahr zu gehäuften Corona-Ausbrüchen in der Region geführt und teils unwürdige Zustände bei der Unterbringung osteuropäischer Erntehelfer offenbart. Das darf sich durch mangelnde Kontrollen keinesfalls wiederholen», sagte Grötsch der Deutschen Presse-Agentur in München. Daher seien systematische Kontrollen auf den Erntehöfen notfalls mit Amtshilfe der Bundesbehörden notwendig.

Einreisen dürfen ausländische Arbeiter nur mit einem negativen PCR-Test. Anschließend müssen sie fünf Tage in Quarantäne. Fällt ein zweiter PCR-Test erneut negativ aus, kann die Arbeit beginnen. In normalen Jahren helfen laut Bauernverband in den bayerischen Landwirtschaftsbetrieben im Durchschnitt rund 30 000 Saisonkräfte – nicht nur beim Spargel, sondern auch bei Beeren, Feldsalat, Hopfen und vielem mehr.

Im vergangenen Jahr waren es wegen der Corona-Pandemie deutlich weniger. Zugleich fehlte der so wichtige Absatz über die Gastronomie. Doch weil offensichtlich in der Pandemie mehr zu Hause gekocht wurde, konnte der private Verbraucher den Ausfall der Restaurants besser kompensieren als zunächst gedacht. Deshalb seien die meisten Spargelbetriebe mit dem Verkauf der vergangenen Ernte auch zufrieden gewesen, fasst die Agrarmarkt-Informationsgesellschaft in Bonn zusammen.

«Letztes Jahr war außergewöhnlich gut, weil die Leute viel mehr gekocht haben», bestätigt Birgit Reinhart, die mit ihrem Mann Norbert in Grettstadt (Landkreis Schweinfurt) Spargel auf einem halben Hektar Land anbaut. Eine Schälmaschine habe neue Kunden angezogen, denn vor allem bei Jüngeren seien geschälte Exemplare begehrt. An diesem Montag will Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) die Spargelsaison offiziell auf dem Feld der Reinharts eröffnen. Deren Tochter Christiane Reinhart ist die amtierende Fränkische Spargelkönigin.

Anders als andere Landwirte ist die Familie nicht auf ausländische Kräfte angewiesen – die Ernte stemme sie im Alleingang, sagt Birgit Reinhart. «Man weiß nie, was man sticht, man weiß nicht, was man hat.» Die Pflanze sei sehr wetterfühlig, Kälte und zu viel Regen möge sie nicht.

Dem Bundeslandwirtschaftsministerium zufolge ist Spargel die Gemüseart mit der größten Anbaufläche in Deutschland. Im Jahr 2020 bauten in Bayern 309 Betriebe auf rund 3990 Hektar Spargel an – im Jahr 2003 war die Fläche nur etwa halb so groß. Im vergangenen Jahr pendelten die Preise für den Verkauf ab Hof zwischen 10,50 und 12 Euro pro Kilo. 17 Jahre zuvor lag der Durchschnittspreis zwischen 6,70 und 8 Euro je Kilo.

Spargel zählt flächenmäßig zu den bedeutendsten Gemüsekulturen in Bayern. 2020 ernteten die Bauern laut Statistischem Landesamt im Durchschnitt 15 358 Tonnen Spargel. Im Jahr davor seien es 23 045 Tonnen gewesen.

Das Gemüse bevorzugt sandige, humose oder leicht lehmige Böden. Das größte bayerische Anbaugebiet ist die Region um das oberbayerische Schrobenhausen. Fast 60 Prozent der bayerischen Betriebe liegen dem Landesamt für Statistik zufolge in Franken.

Bundesweit wächst Spargel hauptsächlich unter Bedeckungen wie Folie. Mit ihrer Hilfe können Bauern nicht nur früher ernten, sondern auch das Wachstum des Spargels regulieren.

«Der Spargel insgesamt kann sehr viel vertragen und ist relativ robust», erklärt die Fachberaterin für Gemüsebau beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Kitzingen, Christine Müller. Dennoch arbeiteten Wissenschaftler weiter an Sorten, die etwa resistent gegen Krankheitserreger seien, mitteldicke Stangen ermöglichten, einen geschlossenen Kopf hätten, nicht zu sehr zur Verholzung neigten und sich nicht sofort nach dem Stechen verfärbten. Zudem brauche es Varianten, die sehr früh oder sehr spät erntebereit seien, um den Bedarf im gesamten Frühjahr zu decken.

Etliche Bauern sind auf Saisonarbeitskräfte angewiesen. Wie viele nun zur Spargelzeit einreisen können, ist fraglich. Spargelbauern wie Familie Bernard aus Volkach (Landkreis Kitzingen) hoffen sehr, dass ihre zehn Kräfte aus Polen tatsächlich kommen können. «Hoffentlich müssen sie nicht in Quarantäne», sagt Landwirtin Jutta Bernhard. Auf den sechs Hektar sollen zudem Studenten, Schüler und Mitarbeiter aus dem Gastronomiebereich mithelfen, die derzeit in Kurzarbeit sind.

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