Serta Sanli (l) vom FC Barcelona wird von Bayern-Profi Deshaun Thomas verteidigt., © Javier Borrego/Spain DPPI/dpa

«Stolz wie nie»: Bayern-Basketballer kommen Top-Clubs näher

Irgendwo zwischen Stolz und Enttäuschung rangierten die Gefühle der Basketballer des FC Bayern München. Im Euroleague-Viertelfinale war der fünfmalige deutsche Meister knapp am Sensationscoup gegen Titelfavorit FC Barcelona vorbeigeschrammt.

Der Traum vom historischen Einzug ins Final Four – geplatzt. Doch die starken Auftritte waren ein Fingerzeig an die Konkurrenz: Die Münchner dringen immer weiter in Europas Basketball-Spitze vor.

Das 72:81 beim katalanischen Starensemble im Entscheidungsspiel um die Final-Four-Teilnahme «tat weh», sagte Bayerns Ognjen Jaramaz. Zum zweiten Mal nacheinander scheiterten die Münchner in den Playoffs in der Runde der letzten Acht in Spiel fünf. «Wir sind riesig enttäuscht, weil wir es schon wieder nicht geschafft haben», sagte Geschäftsführer Marko Pesic bei Magentasport.

Trinchieri stolz

Einen Vorwurf an die Mannschaft nach dem Aus gab es aber nicht – im Gegenteil. «Ich bin nicht deprimiert – ich bin stolz wie nie zuvor auf mein Team», sagte Trainer Andrea Trinchieri und lobte den Charakter und Willen seines Teams. «Wegen dieser Kultur und Werte bin ich so stolz.»

Das von Vereinspräsident Herbert Hainer bekräftigte Ziel, sich zeitnah in der kontinentalen Spitze zu etablieren, rückt nach der zweiten Playoff-Teilnahme in Serie näher. Wer Titelfavorit Barcelona am Rande einer Niederlage hat, mit dem ist doch auch in Zukunft zu rechnen – oder? «Man kann nur großen Respekt haben vor diesen Jungs», lobte Pesic seine Spieler, die in fünf Partien gegen Barça ihr Herz auf dem Parkett gelassen hatten.

Über zwei Viertel waren die Münchner am Dienstag sogar dem historischen Coup, als erstes deutsches Team das Final Four zu erreichen, ganz nah. Sechs Punkte betrug der Vorsprung zur Pause. Dann drehten die Katalanen auf und es wurde die von Pesic vermutete «Wurzelbehandlung ohne Betäubung». Barças Spielmacher Nicolas Laprovittola sorgte im dritten Viertel mit 13 Punkten für die Vorentscheidung.

Enger Terminkalender

Die Bayern verlassen die internationale Bühne aber erhobenen Hauptes. Allein der Einzug in die Playoffs grenzte nach der turbulenten Saison an ein Basketball-Wunder. Zwei Corona-Ausbrüche wirbelten den Terminkalender durcheinander, Spieler fielen aus, Partien wurden verlegt, das Training zeitweise ausgesetzt. Die Hauptrunde endete mit einer stressigen Auswärtstournee und drei Euroleague-Spielen in fünf Tagen. «Wir haben irgendwie überlebt», hatte Trinchieri die ereignisreiche Zeit zusammengefasst.

Zeit zum Ausruhen bleibt den Bayern nicht. In der Liga geht es zwischen dem 6. und 10. Mai in drei Spielen darum, Platz zwei zu erreichen. Am Freitag (19.00 Uhr/Magentasport) wartet ratiopharm Ulm auf den Tabellendritten. Danach kommt die BG Göttingen nach München, ehe Alba Berlin an der Isar gastieren wird. Vor allem das Duell mit dem Meister aus der Hauptstadt könnte der Auftakt zum Titelkampf werden. In den Liga-Playoffs kann es dann möglicherweise zu einem Traumfinale gegen Berlin kommen.