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FC Ingolstadt zwischen Selbstanklage und Schiri-Wut

Berlin (dpa/lby) – Jens Keller tat sich extrem schwer, die «ganz bittere Niederlage» an seiner einstigen Wirkungsstätte emotional zu verarbeiten. Der Trainer des abstiegsbedrohten FC Ingolstadt musste sich nach dem unnötigen 0:2 (0:1) beim Aufstiegskandidaten 1. FC Union Berlin arg zusammenreißen, um nicht wie nach dem 1:2 gegen den 1. FC Köln zur nächsten Schiedsrichterschelte anzuheben.

«Ich habe mich letzte Woche schon enorm offensiv gegen gewisse Dinge geäußert. Das tue ich diesmal nicht», sagte Keller. Wie gegen Köln war es erneut ein fragwürdiger Foulelfmeter, der die Niederlage einleitete. Dazu beklagte Keller am Freitagabend im Union-Stadion drei gesperrte Spieler für die kommende Partie beim SC Paderborn.

Kapitän Almog Cohen sah in der 65. Minute wegen einer Tätlichkeit die Rote Karte. Mittelfeldkollege Robin Krauße erhielt wegen wiederholten Foulspiels Gelb-Rot (75.). Und Abwehrspieler Paulo Otavio muss nach der fünften Gelbe Karte einmal aussetzen. «Es war kein glücklicher Abend für uns», resümierte Keller nach der Niederlage, die von einem antisemitischen Tweet gegen den 30-jährigen Cohen überlagert wurde.

Die dritte Niederlage am Stück konnten die FCI-Profis aber nicht allein Schiedsrichter Robert Kampka ankreiden. Der entschied nach einer Berührung von Paulo Otávio gegen Union-Spieler Felix Kroos auf Strafstoß. «Eine absolute Frechheit», zürnte FCI-Angreifer Thomas Pledl. Sebastian Andersson traf vom Punkt (43. Minute). Akaki Gogia (80.) sorgte mit dem zweiten Berliner Tor für die Entscheidung.

«Wie verhext» sei die Situation, stöhnte Ex-Nationalspieler Christian Träsch. Die Schanzer hatten bis zum Rückstand dominiert. Aber sie leiden unter ihrer Abschlussschwäche. Pledl vergab gleich in der Anfangsphase eine Großchance. «Tut mir leid, dass ich die nicht mache», sagte er schuldbewusst. «Uns fehlt der letzte Kick vorm Tor», sagte Torwart Philipp Tschauner: «Wir sind zum Punkten verdammt.»

Keller lobt Woche für Woche die Leistung seiner Spieler. «Die Klasse ist da», glaubt er. «Und mit dem Druck müssen wir umgehen. Den hat man im Fußball immer. Damit muss man im Fußballgeschäft umgehen, sonst hat man den falschen Beruf gewählt.» In Paderborn geht’s am kommenden Sonntag im Abstiegskampf weiter. «Wir müssen optimistisch bleiben», mahnte Abwehrchef Mergim Mavraj.