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FCI-Bosse erhören «Leitl raus»-Rufe

Ingolstadt (dpa/lby) – Erst hatten beim FC Ingolstadt die wütenden Fans «die Schnauze» voll, dann senkten auch die Entscheidungsträger des Fußball-Zweitligisten beim lange unterstützten Trainer den Daumen. Die «Leitl raus»-Rufe nach dem unglücklichen 0:1 (0:0) am Freitagabend gegen den FC St. Pauli wurden nur 14 Stunden später umgesetzt. «Nach den jüngsten Ergebnissen sind wir zu dem Entschluss gekommen, dass wir uns auf der Position des Cheftrainers verändern wollen, um die Mannschaft wieder in die Erfolgsspur zu bekommen», begründete Sportdirektor Angelo Vier am Samstag die Entscheidung.

Neben Stefan Leitl muss auch dessen Co-Trainer Andre Mijatovic gehen. Wer das verunsicherte Team, das in sechs Partien nur fünf Punkte holte, an diesem Dienstagabend im schweren Auswärtsspiel beim 1. FC Köln betreut, blieb zunächst offen. «Wir brauchen einen Trainer, der die Liga kennt, Erfahrung hat und ein Anker für die Mannschaft ist», äußerte Vier. Leitls Nachfolger soll «zeitnah» präsentiert werden, teilte der Verein mit. Er soll der Mannschaft «neue Impulse geben».

Gehandelt wird unter anderen Jens Keller (47), der bis Dezember 2017 bei Union Berlin tätig war. Dazu Uwe Neuhaus (58), zuletzt bei Dynamo Dresden entlassen. Oder Torsten Lieberknecht (45), lange erfolgreich bei Eintracht Braunschweig tätig. Alle drei sind Zweitliga-Kenner.

Das Ende von Leitl hatte sich in den Szenen unmittelbar nach der Niederlage gegen St. Pauli abgezeichnet. Der 41-Jährige war direkt nach dem Abpfiff in die Kabine geflüchtet, während sich die Spieler allein auf dem Rasen zu einem Kreis versammelten, danach auch zu den aufgebrachten Fans in die Kurve gingen und das Gespräch suchten.

Leitl schien da schon zu ahnen (oder sogar zu wissen?), dass ihm die Heimniederlage fünf Tage nach dem desaströsen 0:6 in Bochum nicht mehr nachgesehen würde. Das FCI-Urgestein hatte vor einem Jahr auch früh in der Saison Maik Walpurgis abgelöst. Leitl konnte das Team aber nicht dauerhaft weiterentwickeln. Der im Sommer teuer umgebaute Kader liefert aus Sicht der Anhänger und der Bosse viel zu wenig.

Symptomatisch für die Sackgasse, in der die Schanzer unter Leitl steckten, war dessen letztes Spiel. Der FCI schlug sich selbst: Erst sah Konstantin Kerschbaumer unnötig Gelb-Rot wegen wiederholten Foulspiels (77. Minute). Dann fiel in Unterzahl, begünstigt durch einen Patzer von Torwart Marco Knaller, das Gegentor durch Ryo Miyaichi (82.). Typisch, meinte Kapitän Marvin Matip: «Wenn du die Scheiße an der Hacke hast, hast du die Scheiße an der Hacke.»

Die FCI-Macher um Vorstandschef Peter Jackwerth spürten, dass auch die Mannschaft auf einen neuen Impuls wartet. Der Fehlstart sei noch zu korrigieren, glaubt auch der Kapitän: «Wir sind erst am sechsten Spieltag der Saison, die ein Marathon ist», sagte Matip. Jetzt stehen die Spieler in der Pflicht. «In Köln gehen wir als absolute Underdogs ins Spiel. Das ist vielleicht ganz gut. Wir werden uns stellen und uns stemmen», versprach Wortführer Matip.