Marcello Mastroianni, Anita Eckberg und der Trevibrunnen., © Universum Film/dpa

Fellinis Kultfilm «La Dolce Vita» wieder im Kino

Manche Filme verändern die Art, wie wir auf die Welt schauen. In diese Kategorie fällt für viele «La Dolce Vita» (dt. «Das süße Leben»), ein Schwarzweiß-Film des legendären italienischen Regisseurs Federico Fellini (1920-1993).

62 Jahre nach seinem Erscheinen kommt der Film nun in restaurierter Fassung nochmal in die deutschen Kinos. Warum genießt der Film heute so einen Kultstatus?

Zunächst zeichnet Fellini in «La Dolce Vita» ein bitterböses Gesellschaftsporträt, das uns auch im Jahr 2022 Dinge über Reichtum oder den Medienbetrieb lehrt. Außerdem ist der Film ein Bilderrausch. Er wartet mit atemberaubenden Einstellungen auf, die wirken wie kunstvoll arrangierte Fotografien. Ein Spiel mit Licht und Schatten, Bild-Ausschnitten und Perspektiven.

Im Zentrum der Geschichte steht Marcello (Marcello Mastroianni), ein römischer Boulevardjournalist, der fasziniert vom Lifestyle der Reichen und Schönen ist und auch kräftig in dieser Welt mitmischt. Wir folgen ihm bei seinen Seitensprüngen, bei Partys oder dabei, wie er mit Adeligen nachts im Kerzenschein einer Séance beiwohnt. Wir begleiten mit ihm eine glamouröse Schauspielerin, die nachts durch die Straßen Roms stromert und schließlich im Trevibrunnen badet. Diese Badeszene mit Anita Ekberg wurde legendär.

Hin- und Hergerissenheit

Immer wieder erlebt Marcello aber auch die Oberflächlichkeit dieser Freuden und strebt nach Höherem – was er in einem Leben als Schriftsteller realisiert sähe. Diese Hin- und Hergerissenheit greift die Kamera auf. Etwa, wenn Marcello in einer Villa steht, gerade noch teure Kaltgetränke nippt, dann auf die Treppe tritt und plötzlich zwischen den Stäben des Treppengeländers wie eingekerkert wirkt.

Einmal ist Marcello unterwegs zu einem vermeintlichen Wunder. Zwei Kinder behaupten, ihnen sei Maria erschienen. Am Ort angekommen ist Marcello wie immer umringt von einer riesigen Schar penetranter Fotografen. Der Begriff Paparazzo stammt übrigens von Fellini und diesem Film. Einer der Fotografen in «La Dolce Vita» trägt diesen Namen. Danach etablierte sich der Begriff allgemein für diese bestimmte Art von Pressefotografen.

Der Vatikan soll den Film wegen seines für damalige Verhältnisse offensiven Umgangs mit Sexualität verurteilt haben. Interessanterweise hat Papst Franziskus wiederum viele Jahre später einem Bericht der Zeitung «Il Messaggero» zufolge einen Film Fellinis als einen seiner liebsten bezeichnet.

La Dolce Vita – Das süße Leben (Arthaus Classics), Italien/Frankreich 1960, 177 Minuten, FSK ab 12, von Federico Fellini, mit Marcello Mastroianni, Anita Ekberg, Anouk Aimée, Yvonne Furneaux und Alain Cuny