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Bayern bejubeln Fußball-Geschichte trotz Turbulenzen

Doha (dpa) – Hansi Flick war nach dem historischen Titel-Sixpack des FC Bayern stolz und erleichtert – aber auch kaputt. Nach der Krönung durch den Finalsieg bei der Club-Weltmeisterschaft und einer wahrlich turbulenten Woche schenkte der Münchner Trainer seinen Stars bereits vor der Rückreise im Sonderflieger zwei freie Tage.

Am Freitagmorgen landeten die Bayern dann in München und feierten die Rückkehr auf ihren Social-Media-Kanälen. Zu Bildern des Landeanfluges twitterte der Rekordmeister: «Munich #MiaSanChampi6ns». Mit der Hand am Pokal, Maske, Medaille und sechsmal dem Wort «Winner» auf dem T-Shirt wurde Alphonso Davies abgelichtet. «Erschöpft, aber glücklich über den historischen Triumph bei der FIFA Klub-WM, betraten Manuel Neuer und Co. knapp zehn Stunden nach dem 1:0-Finalerfolg gegen UANL Tigres heimischen Boden», hieß es.

«Das Spiel war für uns alle schon am Limit, auch für mich an der Außenlinie», gestand Flick. Der 55-Jährige gönnt seinem Ensemble um Matchwinner Benjamin Pavard bis zum nächsten Training am Sonntag ein wenig Erholung. Der FC Bayern ist nach den Weltpokalsiegen 1976 und 2001 sowie dem erstmaligen Gewinn der Vereins-WM 2013 offiziell zum vierten Mal die beste Mannschaft der Welt. «Das ist auch für den erfolgreichen FC Bayern München mit Sicherheit die beste Saison, die er gespielt hat», hob Flick nach insgesamt sechs Titeln hervor.

Die mit einem Feuerwerk verzierte Siegerehrung ohne Weißbierdusche, bei der Kapitän Manuel mit dem obligatorischen Mund-Nasen-Schutz den Pokal in Corona-Zeiten in Empfang nahm, konnte Flick trotz Ruhm und Rekord nicht unbeschwert genießen. Dem Erfolgstrainer, der nun wie bislang nur Pep Guardiola (2009 mit dem FC Barcelona) sechs Titel in einem Jahr feiern konnte, waren die Strapazen der aufreibenden Woche im Wüstenstaat schon während der 90 Minuten beim 1:0 (0:0) gegen Außenseiter Tigres UANL aus Mexiko deutlich anzusehen.

Der stockenden Anreise vom Bundesligasieg in Berlin gegen Hertha BSC mit einer Nacht im Flieger folgte in Doha der Finalverzicht von Jérôme Boateng aus privaten Gründen. Und am Endspieltag sorgte der positive Corona-Test von Vizekapitän Thomas Müller für Wirbel.

Es gehe dem Angreifer «ganz gut», berichtete Flick nach dem Finale. «Jetzt müssen wir schauen, wie wir es schaffen, dass er so schnell wie möglich zurückkommt.» Nach der Rückkehr des von der Mannschaft isolierten Müller nach Bayern muss sich der 31-Jährige in Quarantäne begeben. «Wir haben das Ding auch für ihn geholt und für alle anderen, die nicht dabei sein konnten», sagte Joshua Kimmich.

Außer Müller fehlten nach positiven Corona-Tests noch in München unter anderen Leon Goretzka und Javi Martínez sowie der verletzte Ersatztorwart Alexander Nübel. Goretzka und Martínez dürften am kommenden Montag im Bundesligaspiel gegen Arminia Bielefeld wieder zur Verfügung stehen. «Es geht Schlag auf Schlag», sagte Flick.

Müller wird erstmal ausfallen. Ein Fehlen des Anführers zum Start in die K.o.-Runde der Champions League am 23. Februar bei Lazio Rom wöge für den Titelverteidiger schwerer als zuvor in der Bundesliga. «Ich hoffe, dass er schnell zurück ist», sagte Robert Lewandowski.

Der Weltfußballer machte seine Mannschaft in der Pause beim letzten Sixpack-Schritt heiß, indem er für mehr Flanken warb. Und nach einer Hereingabe von Kimmich fiel prompt das entscheidende Tor durch Weltmeister Pavard. «Ich mag Spieler, die vorangehen», sagte Flick zu Lewandowskis Halbzeit-Ansage an sein Team.

Nach Meisterschaft (Juni), DFB-Pokal (Juli), Champions League (August) und zweimal Supercup (September) krönte Flick nach nicht mal anderthalb Jahren im Amt des Cheftrainers sein Bayern-Werk. «Das ist ein Riesenerfolg», sagte Flick, der Weltmeister-Assistenztrainer von 2014, «einfach eine herausragende Mannschaftsleistung.»

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