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Flughafen Nürnberg: Lücken durch Germania-Pleite ausgleichen

Nürnberg (dpa/lby) – Angesichts der Insolvenz der Fluglinie Germania bemühen sich die bayerischen Flughäfen, die entstehenden Ausfälle auszugleichen. Vor allem den Albrecht-Dürer-Airport in Nürnberg trifft die Pleite hart. Hier war Germania nach dem Aus von Air Berlin zur größten Urlaubs-Airline aufgestiegen und mit einem Marktanteil von elf Prozent der drittgrößte Anbieter.

Nach erfolgloser Investorensuche hatte die Berliner Fluglinie mit zuletzt mehr als 1670 Mitarbeitern in der Nacht zu Dienstag einen Insolvenzantrag eingereicht und den Flugbetrieb im Lauf des Tages eingestellt. «Die Insolvenz bedeutet für Nürnberg und die gesamte Branche einen qualitativen Verlust», sagte Flughafensprecher Jan Beinßen. Betroffen seien 17 Abflüge pro Woche.

«Wir finden es sehr schade, dass die Germania als größte touristische Airline am Standort aus dem Markt austritt», erklärte Flughafengeschäftsführer Michael Hupe. Germania habe ein attraktives Streckennetz von den Kanaren über Griechenland bis Israel geboten. «Wir werden uns bemühen, die Lücken so bald wie möglich zu füllen, auch wenn das für dieses Jahr nicht vollumfänglich möglich sein wird.»

Für den Münchner Flughafen hat die Insolvenz der Germania dagegen keine große Bedeutung. Mit neun Flügen pro Woche oder 0,3 Prozent der Flüge ab München sei ihr Angebot wenig ins Gewicht gefallen, sagte ein Flughafensprecher. Die Germania flog ab München regelmäßig sechs Städte an: Beirut (Libanon), Erbil und Sulaimanija (beide Irak), Hurghada und Scharm el Scheich (beide Ägypten) sowie Pristina (Kosovo). Außerdem bot sie Einzel- und Charterflüge an.

Der Nürnberger Luftfahrtunternehmer Hans Rudolf Wöhrl rechnet als Folge vor allem auf den Strecken in die Urlaubsziele mit höheren Ticketpreisen. «Hier werden die Kapazitäten bei gleichem Passagieraufkommen zurückgefahren – das führt erfahrungsgemäß zu höheren Preisen», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Das Beispiel der 2017 pleitegegangenen Air Berlin habe gezeigt, dass danach deutliche Preissteigerungen auf den innerdeutschen Strecken eingetreten seien. Er bedauere die Einstellung des Flugbetriebes bei Germania sehr, denn die Berliner Fluggesellschaft sei mit rund 30 Flugzeugen die letzte große, unabhängige deutsche Fluglinie gewesen.

Auf die Frage, ob er sich selbst ein Investment bei Germania vorstellen könne, antwortete der 71-jährige Unternehmer: «Wir könnten uns grundsätzlich vorstellen, bei einem solchen Projekt mitzuwirken, jedoch allenfalls als Minderheitsgesellschafter zusammen mit weiteren Investoren.»

Wegen der Einstellung des Flugbetriebs bei Germania wurden Flüge annulliert. Betroffenen Kunden boten mehrere Fluggesellschaften verbilligte Tickets an. Die größten Überschneidungen in den Flugplänen gebe es mit der Tochter Eurowings, erklärte ein Lufthansa-Sprecher in Frankfurt.