Eine Statue der Justitia steht unter freiem Himmel., © Arne Dedert/dpa/Symbolbild

Getötete Afghanin: Freundin eines Angeklagten im Zeugenstand

Mit der Leiche ihrer 34-jährigen Schwester im Koffer sollen zwei Brüder per Bahn von Berlin nach Bayern gereist sein – im Prozess hat nun die Freundin einer der Angeklagten zu weiteren Details ausgesagt.

Die 42-Jährige erklärte am Mittwoch vor dem Berliner Landgericht, als sie die beiden Männer vom Bahnhof in ihrem oberbayerischen Wohnort abgeholt habe, hätten sie einen großen Koffer bei sich gehabt. Sie habe gedacht, es hätten sich darin «Kleidung und andere Dinge» ihres Freundes befunden. Mehrmals berief sich die Frau auf fehlende Erinnerung.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Angeklagten ihre geschiedene Schwester ermordet haben, weil sie sich nicht den Moralvorstellungen der Familie unterworfen und zudem eine Liebesbeziehung geführt habe. Die 27 und 23 Jahre alten Männer sollen ihre Schwester am 13. Juli 2021 getötet, dann deren Leiche in einem Rollkoffer nach Bayern gebracht und bei Neuburg an der Donau vergraben haben. Bislang haben die Angeklagten zu den Vorwürfen geschwiegen.

Die Zeugin sagte, der 27-Jährige sei der Vater ihres jüngsten Kindes. Am Abend des 13. Juli 2021 seien er und sein Bruder aus Berlin gekommen. Am nächsten Morgen habe er sie gebeten, in einem Baumarkt für einen Bekannten Handschuhe, einen Spaten und eine Schaufel zu kaufen. Dann habe er sie gebeten, zu einem für sie «besonderen Ort» in der Nähe zu fahren, so die Zeugin aus Donauwörth. Sie seien mit zwei Autos unterwegs gewesen.

An einem Hügel sei sie nicht weitergefahren. «Ich blieb mit dem Wagen unten, er wollte ein bisschen allein sein», schilderte die Frau. Sie habe nicht gesehen, ob er den Koffer aus dem Wagen gehoben habe. Als er wieder vor ihr stand, habe er sie umarmt – «ich habe nur gesehen, dass er traurig war».

Am 3. August 2021 waren die Angeklagten festgenommen worden – der ältere Bruder in Bayern, der jüngere in Berlin. Zwei Tage später habe die Freundin des Älteren zu dem Ort geführt, an dem die Leiche verscharrt war. «Ich kann es immer noch nicht glauben», sagte die Zeugin. Zu Widersprüchen in ihren verschiedenen Aussagen erklärte sie, zunächst habe sie unter Schock gestanden.

Der Fall hatte für Schlagzeilen gesorgt und eine Debatte um den Begriff «Ehrenmord» und die gescheiterte Integration von Flüchtlingen ausgelöst. Die Frau und die Brüder waren vor einigen Jahren aus Afghanistan nach Deutschland gekommen. Von ihrem afghanischen Mann hatte sich die 34-Jährige im Jahr 2018 scheiden lassen. Die Verhandlung wird am 10. Juni fortgesetzt.