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Krankenhäuser in Bedrängnis: Ansturm auf Impfungen

München (dpa/lby) – Dem rasanten Anstieg der Corona-Neuinfektionen in Bayern folgt nun ein Ansturm auf die Impfangebote. In München und Augsburg sind die Impfzentren und -stationen mit dem derzeitigen Andrang überfordert. Die Augsburger Stadtverwaltung appellierte am Samstagvormittag an die Bürger der drittgrößten bayerischen Stadt, dem überlasteten Impfzentrum vorerst fernzubleiben und stattdessen Termine zu vereinbaren. Auch im Münchner Impfzentrum und den angeschlossenen -stationen der Stadtverwaltung gibt es Impfungen ab nächster Woche nur noch auf Termin.

Bayern hat mit 65,5 Prozent vollständig geimpfter Bürger die niedrigste Impfquote im Westen. Sowohl die Zahl der Neuinfektionen als auch diejenige der Corona-Todesfälle liegen derzeit weit über dem Bundesschnitt.

Auf den Intensivstationen der Krankenhäuser nimmt dementsprechend die Bedrängnis von Tag zu Tag zu. Insgesamt waren am Samstagvormittag in 50 der 96 kreisfreien Städte und Kreise weniger als zehn Prozent der Intensivbetten frei, wie aus dem Intensivregister am Samstag hervorging.

In 22 bayerischen Städten und Kreisen war kein einziges Intensivbett mehr verfügbar. Kritisch ist die Lage mittlerweile auch in der Landeshauptstadt München, deren Krankenhäuser eine zentrale Rolle für die medizinische Versorgung in Bayern spielen. Dort waren lediglich 16 der 452 Intensivbetten verfügbar.

Das Robert Koch-Institut meldete am Samstag 12 430 neue Corona-Fälle im Freistaat, etwas weniger als noch am Donnerstag, aber deutlich mehr als im Schnitt der Vorwoche. Die bayernweite Inzidenz stieg auf 478,7. Seit Beginn der Pandemie haben die bayerischen Gesundheitsbehörden insgesamt 923 896 Infektionen mit dem Sars-CoV-2-Erreger gezählt. Sofern die Infektionszahlen nicht überraschend wieder zurückgehen, wird aller Voraussicht nach im Laufe der kommenden Woche die Millionengrenze überschritten werden.

Doch nun gibt es Anzeichen, dass die von vielen Medizinern als dramatisch empfundene Entwicklung eine Erhöhung der Impfbereitschaft zur Folge hat. Das Augsburger Rathaus kündigte für die kommende Woche eine Erhöhung der Impfkapazitäten an.

Der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen verzeichnete am Freitag laut «Münchner Merkur» erste Engpässe beim Biontech-Impfstoff. Manche Wartenden mussten nach zwei Stunden ohne Impfung wieder gehen. Im Berchtesgadener Land wurden die Kapazitäten dagegen bereits ausgebaut, wie das Landratsamt mitteilte. Hier können nun pro Tag 600 Impfungen durchgeführt werden.

Unter den Intensivpatienten ist mittlerweile eine gestiegene Zahl vollständig Geimpfter. Dies ist nach Einschätzung von Medizinern darauf zurückzuführen, dass der Impfschutz im Laufe der Monate nachlässt.

Besonders gefährdet sind die Hochbetagten. In den Pflegeheimen warten aber immer noch viele Bewohner auf eine Auffrischungsspritze, obwohl seit Monaten darüber diskutiert wird. Nach Zahlen des Gesundheitsministeriums gab es im Freistaat bis zum 5. November bei knapp 40 000 Pflegebedürftigen in den Heimen sogenannte Booster-Impfungen durch die Impfzentren.

Das Ministerium geht weiter davon aus, dass Hausärzte mindestens ähnlich viele Heimbewohner bereits nachgeimpft haben wie die Impfzentren. Bei geschätzten 127 000 Pflegefällen bleibt allerdings eine erhebliche Lücke – wohl etwa ein Drittel der Bewohnerinnen und Bewohner dürfte demnach noch keine dritte Impfung erhalten haben. Nach Angaben des Ministeriumssprechers hätten die Impfzentren mittlerweile «nahezu vollständig» die Alten- und Pflegeheime kontaktiert. Wo Impfaktionen noch nicht stattgefunden haben, seien diese geplant.

Aus den Heimen mehren sich die Meldungen sogenannter Impfdurchbrüche – also Infektionen bereits vollständig Geimpfter. So hatten sich nach Angaben des Betreibers Anfang November in einem Heim in Pfaffenhausen im Allgäu 20 der 33 Bewohner infiziert, obwohl nahezu alle geimpft waren. Eine Frau starb demnach, und auch die Hälfte der Belegschaft hatte sich angesteckt.

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