Ein für Juni gültiges 9-Euro-Ticket., © Frank Rumpenhorst/dpa/Illustration

Gemischte Halbzeitbilanz beim 9-Euro-Ticket

Die Halbzeitbilanz des 9-Euro-Tickets in Bayern fällt gemischt bis positiv aus. Zwar gab es teils überfüllte Züge, doch das von manchen befürchtete große Chaos blieb aus. Durch die Bank bemerken die Anbieter steigende Fahrgastzahlen. Millionen Tickets wurden bereits verkauft und bisher ist kein Nachlassen der Nachfrage zu bemerken.

Rund 10 Prozent mehr Fahrgäste zählt die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG), mit leicht steigender Tendenz, wie sie am Montag mitteilte. Der Anstieg kommt dort vor allem aus dem Freizeitverkehr. Beim Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) sieht man ebenfalls keinen Rückgang. Im Gegenteil: In den Ferien würden die Nutzerzahlen eher noch steigen, «da viele das Ticket für Ausflüge und Urlaub beziehungsweise in der Freizeit nutzen.»

Auch beim Nahverkehrsanbieter Agilis spricht man von deutlich gestiegenen Fahrgastzahlen. «Wer sich dieses Angebotsticket gekauft hat, nutzt es auch», heißt es dort.

Insgesamt wurden Millionen Tickets verkauft, auch wenn sich für Bayern derzeit keine genaue Zahl errechnen lässt. Alleine bei der MVG waren es seit Beginn knapp 1,2 Millionen, bei der VGN rund 600.000 und bei der Bayerischen Regiobahn 200.000. Dabei fehlen allerdings noch zahlreiche Anbieter – nicht zuletzt die Deutsche Bahn, für die es keine Bayern-Zahlen gibt.

Ganz ohne Probleme lief der Anstieg der Fahrgastzahlen allerdings nicht ab. Doch insgesamt seien es eher Einzelereignisse gewesen, heißt es vom bayerischen Landesverband des Fahrgastverbands ProBahn. Auch bei Agilis berichtet man von wenigen Problemen. Die Bayerische Regiobahn freut sich ebenfalls über die zusätzlichen Fahrgäste, hat aber «wie alle anderen Bahnunternehmen derzeit auch, mit teilweise übervollen Zügen zu kämpfen, was auch mitunter hohe Verspätungen mit sich bringt». Zudem könnten Fahrräder nicht immer mitgenommen werden – ein Problem, das man auch bei Agilis kennt.

Bei ProBahn sieht man die ersten eineinhalb Monate als klaren Beleg dafür, dass man mehr Menschen vom ÖPNV überzeugen könne. Entscheidend dafür sei vor allem, die Nutzung niederschwellig und einfach zu machen – und günstiger als die Benzinkosten eines autofahrenden Pendlers, sagt der Sprecher mit Blick auf die Zeit nach dem 9-Euro-Ticket und mögliche Anschlussangebote. «Es muss nicht geschenkt sein, aber preiswert.»

Wie stark die finanziellen Auswirkungen sind, lässt sich an der MVG durchdeklinieren. Insgesamt rechnet alleine dieser Verbund bis zum Ende der Aktion mit Einnahmeausfällen von 63 Millionen Euro. Ohne Ausgleich wäre die Aktion «nicht leistbar gewesen», sagt MVG-Chef Ingo Wortmann. Das gelte auch für alle möglichen Nachfolgeangebote wie das diskutierte 69-Euro-Ticket.

Und noch einen Effekt merkt man in München: Die Zahl der Menschen ohne gültigen Fahrschein hat sich mehr als halbiert. Und das obwohl die Kontrollen nach Angaben der MVG nicht zurückgefahren wurden.