Eine Frau steht in einem Büro und telefoniert., © Annette Riedl/dpa/Illustration

Immer weniger bayerische Arbeitnehmer nach Tarif bezahlt

In Bayern wird mittlerweile weniger als die Hälfte der Arbeitnehmer nach Tarif bezahlt. Innerhalb von zehn Jahren ist deren Anteil von 60 auf 49 Prozent gesunken. Das hat die Bundesregierung auf eine Bundestagsanfrage der Linken geantwortet, die die Fraktion am Freitag veröffentlichte. Die Zahl der tarifgebundenen Betriebe im Freistaat ist um 23.000 auf 88.000 gesunken, ein Minus von gut zwanzig Prozent. Zuvor hatte die «Augsburger Allgemeine» berichtet.

Dabei gibt es einen ganz erheblichen Unterschied zwischen kleinen und großen Unternehmen: Eine Mehrheit von 70 Prozent der Firmen mit mehr als 200 Mitarbeitern schließt demnach nach wie vor Tarifverträge ab, doch bei kleineren Unternehmen ist dies die Ausnahme. Der Rückgang der Tarifbindung in Bayern war demnach auch stärker ausgeprägt als im Bundesdurchschnitt.

Tarifverträge führten zu höheren Löhnen, besseren Arbeitsbedingungen und kürzeren Arbeitszeiten, erklärte Susanne Ferschl, die Vizefraktionschefin der Linken im Bundestag. «Umso erschreckender ist es, dass in Bayern die Tarifbindung im freien Fall ist und nicht einmal mehr die Hälfte der Beschäftigten in tarifgebundenen Unternehmen arbeiten.»

Der DGB macht für die Entwicklung eine Zunahme von Niedriglohnjobs verantwortlich. Rund eine Million Beschäftigte hätten zuletzt weniger als die bundesweite Niedriglohnschwelle von 11,21 Euro die Stunde verdient, erklärte der DGB-Landesvorsitzende Bernhad Stiedl. Sowohl der DGB als auch die Linke forderten ein bayerisches Tariftreuegesetz von der Staatsregierung.