Der damalige Papst Benedikt XVI. zelebriert die Corpus-Domini-Mess., © Alessandra Tarantino/AP/dpa/Archiv

Initiative: Benedikt war «in Angst erstarrter Theologe»

Die Reform-Initiative «Wir sind Kirche» sieht den verstorbenen emeritierten Papst Benedikt XVI. als widersprüchlichen Theologen, der seiner Kirche ein schweres Erbe hinterlassen habe. Er habe die katholiche Kirche «über Jahrzehnte in rückwärtsgewandter Weise geprägt», teilte die Initiative am Samstag mit.

Während Joseph Ratzinger als junger Theologe die Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) mitgeprägt habe, habe er sich später als ein «von Misstrauen getriebener und in Angst erstarrter Theologe» erwiesen, «der mit seinen Leitungsaufgaben überfordert war».

Seine Stellungnahme zum Münchner Missbrauchsgutachten sei unglaubwürdig gewesen, teilte «Wir sind Kirche» mit. «Zu einem persönlichen Schuldeingeständnis war er nicht bereit. Damit hat er dem Bischofs- und Papstamt großen Schaden zugefügt.» In dem vor rund einem Jahr veröffentlichten Gutachten wurden Ratzinger in seiner Zeit als Erzbischof von München und Freising schwere Versäumnisse beim Umgang mit Missbrauchsfällen und -tätern vorgeworfen.

Weiter hieß es: «Joseph Ratzinger entwickelte kein Verständnis für die Zukunftsdimension des Glaubens. Vielmehr versuchte er, die Reformimpulse des Konzils zu begrenzen oder sogar zurückzunehmen.» Der Rücktritt 2013 verdiene zwar Anerkennung, jedoch hätte er auch in den Kardinals- oder Bischofsstand zurückrücken und die weiße Soutane ablegen müssen, so die Initiative.