Besucherinnen und Besucher sitzen in den Reihen., © Nicolas Armer/dpa/Symbolbild

Jüdische Studierende kritisieren Mouawads «Vögel»

Zwei jüdische Studierendenverbände haben das Stück «Vögel» von Wajdi Mouawad in der Inszenierung des Münchner Metropoltheaters als antisemitisch kritisiert. Es mache «Holocaust-Relativierung sowie israelbezogenen Antisemitismus salonfähig», schrieben die Jüdische Studierendenunion Deutschland und der Verband jüdischer Studenten in Bayern am Freitag in einem Offenen Brief. Dem Publikum werde vermittelt, dass seine eigenen antisemitischen Ressentiments kein Tabu seien und frei geäußert werden könnten.

Intendant und Regisseur Jochen Schölch zeigte sich von den Vorwürfen schockiert. Bei «Vögel» handele es sich um eines der meistgespielten zeitgenössischen Stücke. «Es wird überall als Stück der Stunde gesehen und als der moderne „Nathan der Weise“ bezeichnet», sagte Schölch der dpa. «Unter diesen Voraussetzungen habe ich das Stück inszeniert, ich habe keine Wort dazugetan.»

Die von den Studierendenverbänden angeführten Zitate seien aus dem Zusammenhang gerissen, betonte Schölch. Das Angebot zu einem klärenden Gespräch hätten die Verfasser des Offenen Briefs leider nicht angenommen. Stattdessen beschädige nun ein moralisches Fallbeil den Ruf eines Privattheaters, das für humanistische Stücke und Versöhnung stehe, und bringe es durch den Ruf nach der Streichung von Fördergeldern in finanzielle Bedrängnis.

Die Stadt München sieht aber bislang keinen Anlass, ihre Förderung zu überdenken. «Bei Kunst und Kultur ist es ja immer immanent, gerade wenn es um sehr diskursive Themen geht, das auch Verletzungen passieren können», sagte eine Sprecherin des Kulturreferats. Gerade der Grenzbereich zwischen Israelkritik und Antisemitismus sei ein ganz schmaler Grat. «Da kann man nur ein Gespräch anbieten.»

Auch der ehemalige Münchner Oberbürgermeister Christian Ude betonte in seiner Funktion als Vorsitzender des Freundeskreises des Theaters nach einem Besuch des Stückes am Vorabend: «Ich habe ein extrem menschliches, humanistisches Stück erlebt, das allen Vorurteilen und genetisch begründeten Urteilen über Menschen eine Absage erteilt und Versöhnung einfordert, was kein Mensch, der guten Willens ist, missverstehen konnte.» In seinen Augen gehe es den Verfassern des Briefes darum, «ein Reizthema zum 9. November zu veröffentlichen und nicht darum, sich ernsthaft mit einem Kunstwerk auseinanderzusetzen – und schon gar nicht darum, einen Dialog einzuleiten».