© Nicolas Armer

Kein Prozess um verwahrlosten und isolierten Mann

Bayreuth/Hollfeld (dpa/lby) – Der Fall hatte bundesweit Schlagzeilen gemacht: Ein Mann wird 2016 nach Jahrzehnten der Isolation verwahrlost aus dem Elternhaus im oberfränkischen Hollfeld (Landkreis Bayreuth) geholt. Unklar war, ob ein Verbrechen vorliegt – und diese Frage wird wohl ungeklärt bleiben. Das Amtsgericht Bayreuth hat die Eröffnung des Hauptverfahrens abgelehnt, wie ein Sprecher am Dienstag auf Anfrage mitteilte. Die Staatsanwaltschaft hatte Anklage gegen die Eltern des Mannes erhoben. Mehrere Medien hatten über die Gerichtsentscheidung bereits berichtet.

Grund für die Gerichtsentscheidung ist den Angaben zufolge ein psychiatrisches Gutachten. Dieses habe ergeben, dass der einzige Zeuge – der Sohn selbst – psychisch nicht in der Lage sei zu entscheiden, ob er gegen seine Eltern aussagen möchte. «Aus medizinischer Sicht ist er zeugenuntauglich», erklärte der Sprecher. Die Staatsanwaltschaft hätte gegen die Entscheidung des Gerichts Beschwerde einlegen können, tat dies aber nicht.

Der damals 43-Jährige aus dem Hollfelder Ortsteil Freienfels war von der Polizei Ende September 2016 nach Jahrzehnten der Isolation aus dem Elternhaus geholt und ins Bezirkskrankenhaus Bayreuth gebracht worden. Die Polizei bezeichnete den Fall damals als persönliche Tragödie.