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Flugzeugabsturz auf Kita-Gelände: «Sind total schockiert»

Ebermannstadt (dpa/lby) – Ein plötzlicher Schneesturm könnte die Ursache für den tödlichen Absturz eines Kleinflugzeuges auf das Gelände eines Kindergartens im oberfränkischen Ebermannstadt sein. «Während der Pilot in der Luft war und sich schon auf die Landung vorbereitet hatte, kam auf einmal ein Schneesturm auf», berichtete Tanja Adamski vom dortigen Flugplatz. «Es kann gut sein, dass der Absturz damit zusammenhängt.»

Polizei und Staatsanwaltschaft ermittelten am Mittwoch noch, warum der 64-Jährige am Vorabend die Kontrolle verlor und im Garten des Kindergartens tödlich verunglückte. «Ein Sachverständiger schaut sich das Wrack noch einmal an und wir werten jede Menge Daten aus», sagte ein Sprecher der Polizei. Tatsächlich sei es zu dem Zeitpunkt sehr winterlich und neblig gewesen.

Noch kurze Zeit zuvor seien die Bedingungen ideal gewesen, betonte Adamski. «Er war ein sehr erfahrener Pilot. Er gehörte zu unserem Vorstand und war mehrfach die Woche mit seinem Flugzeug unterwegs, bestimmt seit über 40 Jahren.»

Am Dienstag sei er am Flugplatz der Burg Feuerstein zu einem Rundflug aufgebrochen, im ständigen Funkkontakt mit dem Flugleiter. «Er hat ihn auf dem Bildschirm verfolgt – bis zuletzt. Wir sind total schockiert», meinte die Managerin der Flugschule.

Der Pilot starb nach Angaben der Ermittler noch beim Absturz. Das Gelände des Kindergartens sei zu dem Zeitpunkt schon verlassen gewesen. Rund 120 Einsatzkräfte waren im Einsatz, darunter auch ein Kriseninterventionsteam und Experten von der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung. Noch in der Nacht bargen sie das Wrack.

Der Kindergarten werde trotzdem frühestens nächste Woche wieder öffnen können, meinte die stellvertretende Leiterin Anna Amon. «Die große Fensterfront in einem Gruppenraum ist in Millionen Teile zersplittert. Überall zwischen den Spielsachen liegen Scherben, das ist gefährlich für kleine Kinder.»

Im Sandkasten befänden sich noch kleinere Wrackteile, einige Bäume müssten vermutlich gefällt werden. Auch der Boden könnte durch Kraftstoff verunreinigt sein, sagte Amon. «Wir schauen uns auch nach neuen Räumen um, falls die Arbeiten länger dauern.»

Der Absturz war schon der vierte Flugunfall vor Ort innerhalb von drei Wochen. «Das hat mit dem Flugplatz nichts zu tun, das hätte überall passieren können», sagte Adamski. Ein Pilot habe das Fahrwerk nicht ausgefahren, ein Segelflugzeug sei in den Baumkronen hängen geblieben und zu einem Unfall sei es wegen eines Materialfehlers gekommen. Die Piloten seien alle unverletzt geblieben.

Aber auch zu dem tödlichen Absturz am Dienstag sei es keinesfalls aus Leichtsinn gekommen, meinte die Managerin der Flugschule. «Der Pilot kannte den Flugplatz und die Umgebung wie seine Westentasche.»

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