Rafal Gikiewicz., © Carmen Jaspersen/dpa/Archivbild

«Labern ohne Ende»: Gikiewicz wieder Augsburgs Matchwinner

Rafal Gikiewicz legte sich im Adrenalin-Kick gegen Werder auch noch mit den Bremer Fans an und löste fast einen Platzsturm aus. Kurz zuvor hatte der Schlussmann einen Elfmeter gehalten und war so zum Helden des FC Augsburg avanciert.

«Wieder ein herausragendes Spiel von Rafal, wie auch in den vergangenen Wochen», schwärmte Trainer Enrico Maaßen nach dem 1:0 mit dem Höhepunkt des gehalten Strafstoßes in der Nachspielzeit. «Wie er den Elfmeter holt – Wahnsinn. Wie schon in Leverkusen hat er großen Anteil am Sieg», ergänzte Manager Stefan Reuter.

Schon beim ersten Bundesliga-Dreier in dieser Saison gegen Bayer Leverkusen war Gikiewicz zur Höchstform aufgelaufen. Es war eine Zeit, als U21-Europameister Finn Dahmen vom FSV Mainz 05 als neuer Torwart beim FC Augsburg gehandelt wurde.

Der Transfer scheiterte. Die Spekulationen um einen neuen Konkurrenten scheinen indes den zuvor oft wechselhaften Gikiewicz angespornt zu haben. Denn der 34-jährige Pole wird immer mehr zum Punkte-Garanten.

Einen Hand-Elfmeter von Marvin Ducksch (90.+4) parierte er am Freitagabend und sicherte nach dem Treffer von Ermedin Demirovic (63. Minute) drei enorm wichtige Auswärtszähler. So ließ Gikiewicz auch den zuvor in der Kritik stehenden Trainer Maaßen vor dem Derby am kommenden Wochenende gegen den FC Bayern durchatmen. «Wir sind von ihm und auch von der Mannschaft überzeugt», betonte Reuter.

Mit einer provozierenden Geste in Richtung Bremer Fans nach seinem Elfmeter-Coup hatte Gikiewicz für Aufregung gesorgt. Einige Anhänger sprangen von der Tribüne und waren für kurze Zeit direkt hinter dem Augsburger Tor. «Die Fans haben mich die gesamte zweite Halbzeit beleidigt und hatten keinen Respekt», meinte der Keeper. «Du kannst nicht meine Familie oder mich persönlich beleidigen, das kann ich nicht akzeptieren und das ist meine Antwort.»

Gikiewicz hatte in Richtung Bremer Fans zunächst einen Zeigefinger als Zeichen des Schweigens an seine Lippen gehalten, dann legte er einen Zeigefinger hinters Ohr und schien so, die Werder-Zuschauer zu mehr Lautstärke animieren zu wollen. «Man sollte, gerade wenn man so ein Spiel mit einem Quäntchen Glück gewinnt, ruhig bleiben und den Gegner auf keinen Fall provozieren», meinte Reuter, der sich aber über seinen «überragenden Torhüter» freute.

Gikiewicz hatte direkt vor dem Ducksch-Strafstoß versucht, mit kleinen Tritten den Elfmeterpunkt zu ramponieren. «Bei aller Rivalität sollte es immer noch fair und respektvoll sein», schimpfte Clemens Fritz, Werders Leiter Profifußball. «Da gehört sich so etwas nicht. Wenn da einer noch auf dem Elfmeterpunkt herumtritt, ist es doch nicht so, dass das keiner mitkriegt. Er tut sich am wenigsten damit einen Gefallen. Darüber sollte er mal nachdenken.»

Für Bremens Torjäger Niclas Füllkrug hatte das alles «auch nichts mehr mit Fußball zu tun». Der 29-Jährige klagte: «Bei jeder Entscheidung standen alle elf Augsburger beim Schiedsrichter. Das war natürlich heute deren Ziel, hier Emotionen reinzubringen, dass das hier alles vielleicht ein bisschen unruhig wird. Schade drum.»

Für Gikiewicz war die Kritik des besten Werder-Torjägers ein Unding. «Ich glaube, Füllkrug muss einfach die Niederlage akzeptieren. Sie hatten vor dem Spiel acht Punkte und haben wohl geglaubt, da kommt Augsburg und sie gewinnen locker mit 4:0. Das ist respektlos», ätzte der Torhüter. «Aus meiner Sicht waren wir klar die bessere Mannschaft und haben verdient gewonnen. Jetzt können sie labern ohne Ende, das interessiert mich nicht.»