Mönchengladbachs Torhüter Yann Sommer (l-r), Cheftrainer Adi Hütter und Münchens Torhüter Manuel Neuer., © Federico Gambarini/dpa/Archivbild

Längerer Vertrag als Neuer: Sommer hat mit Bayern Großes vor

Yann Sommer lächelte bei seiner Ankunft in München. Die nach der schweren Verletzung von Nationaltorhüter Manuel Neuer neu verpflichtete Winter-Wunschlösung blickt großen Zielen mit dem FC Bayern entgegen, bei dem er einen längeren Vertrag als die seit über einem Jahrzehnt unantastbare Nummer 1 hat. Bis zum 30. Juni 2025 läuft dem Vernehmen nach der Kontrakt des Schweizer WM-Torhüters, der von 2014er Weltmeister Neuer endet ein Jahr früher.

Sollte Neuer wie angepeilt nach seinem Unterschenkelbruch zur neuen Saison wieder zurück sein, trifft er an der Säbener Straße auf einen Torwartkollegen, der sich als 80-maliger Nationalspieler anders als Sven Ulreich nicht automatisch als klare Nummer 2 einreihen möchte.

«Wir haben mit Manu einen herausragenden Torwart, der im Sommer hoffentlich gesund zurückkommt, wenn die Verletzung gut verheilt, wovon ich ausgehe. Ein Knochenbruch ist generell etwas, was sehr gut verheilt und was man danach sehr gut belasten kann», sagte Trainer Julian Nagelsmann vor dem Wiederbeginn der Fußball-Bundesliga am Freitag (20.30 Uhr/Sat.1 und DAZN) bei RB Leipzig.

Sollte der Heilungsverlauf von Führungsspieler und Kapitän Neuer, über Jahre der weltbeste Torhüter, nicht wie erhofft verlaufen, wären die Münchner durch die Verpflichtung von Sommer auch für einen längeren Ausfall gewappnet. Angeblich acht Millionen Euro plus eine Bonuszahlung von bis zu 1,5 Millionen sollen die Bayern für Sommer an Borussia Mönchengladbach überweisen.

Der höchst ehrgeizige Neuer, der jüngst ein Foto von seiner Reha-Runde mit Krücken an der Säbener Straße postete, wird die Auftritte von Sommer genaustens beobachten. Während sich im Nationalteam die langjährige Nummer 2 Marc-André ter Stegen vom FC Barcelona oder der Frankfurter Kevin Trapp in eine gute Position für die Heim-EM 2024 bringen können, möchte Sommer im Verein zum großen Rückhalt bei den Münchner Titelprojekten werden.

Der viermalige Schweizer Meister will sich nun auch in der Bundesliga zum Champion küren, dazu hat der 34-Jährige mit den Münchnern auch die Aussichten auf große Erfolge in Europa. Bei der Achtelfinalprüfung gegen Paris Saint-Germain mit den Offensiv-Superstars Lionel Messi, Neymar und Kylian Mbappé dürfte Sommer ganz besonders in den Fokus rücken.

Die neue Saison spiele bei einer Torwartverpflichtung im Winter für ihn keine Rolle, sagte Nagelsmann vor dem Leipzig-Spiel. «Mein Job ist es, die Rückrunde so zu gestalten, dass ich im Sommer fest im Sattel bin. Dann kann ich mir Gedanken machen über den Sommer.» Als Trainer werde man am Tagesgeschäft gemessen, über strategische Kaderplanungen würden sich andere Verantwortliche Gedanken machen.

Bei der Rückkehr Neuers «erfreuen wir uns an seiner großen Qualität», versicherte Nagelsmann. «Jetzt geben wir ihm die Zeit der Regeneration und uns die Zeit, hoffentlich gute Spiele zu machen.» Neuer hatte Ende vergangenen Jahres bei einem Ski-Unfall die Verletzung erlitten.

«Ich gehe davon aus, dass Manuel Neuer nächste Saison bei Bayern wieder im Tor stehen wird», sagte Rekordnationalspieler Lothar Matthäus im «Kicker» (Donnerstag). «Alexander Nübels kurzfristige Rückkehr aus Monaco, und die hatte sich ja jetzt auch erledigt, hätte von Anfang keinen Sinn ergeben.»

Der Sommer-Deal und dessen Vertrag bis 2025 beeinflusst auch die Personalie Nübel. Das Arbeitspapier des 26-Jährigen, der bis zum Saisonende an AS Monaco ausgeliehen ist, ist ebenfalls bis zum 30. Juni 2025 datiert. Dass der frühere U21-Nationaltorhüter Nübel also die für ihn vorgesehene Rolle als Neuer-Nachfolger ausfüllen wird, ist zumindest erstmal höchst unwahrscheinlich. Zumal dieser für sich ausschloss, in den Konkurrenzkampf mit Neuer treten zu wollen. Bei Sommer sieht das offenbar anders aus.

Mittelfristig könnte dann ein Landsmann Sommers ein Kandidat für das Bayern-Tor werden: Dortmunds Schlussmann Gregor Kobel (25). «Ich habe schon zuvor gesagt, dass ich in diesem Torwart langfristig den Nachfolger von Neuer sehe, nicht in Nübel», sagte Matthäus.