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Leonhardifahrten in Oberbayern

Bad Tölz/Kreuth (dpa/lby) – Mit Leonhardifahrten und Gottesdiensten haben Trachtenvereine, Schützenkompanien und Musikkapellen an den Heiligen Leonhard als Schutzpatron der Nutztiere erinnert. In Bad Tölz, aber auch in Kreuth nahe dem Tegernsee und in Murnau am Staffelsee, zogen am Mittwoch zum Leonharditag Hunderte Pferde und festlich geschmückte historische Wagen durch die Straßen und erhielten den Segen.

An einer der ältesten Leonhardifahrten Bayerns in Kreuth nahm auch Ministerpräsident Markus Söder (CSU) teil. «Es ist auch ein Beispiel für Tradition in Bayern», sagte der Ministerpräsident. «Bayern lebt von unglaublich viel Technologie und Modernität, aber eben auch von Bodenständigkeit, Tradition und Identität.» Hier werde spürbar, was Bayern ausmache.

Die Fahrt in Kreuth wird seit fast schon 600 Jahren zelebriert, sie ist seit 1442 belegt. Nach dem Gottesdienst in der Leonhardi-Kirche zogen prächtig geschmückte Pferdegespanne und verzierte Truhenwägen durchs Dorf.

In Bad Tölz nahmen an der größten Leonhardifahrt mehrere Hundert Pferde und rund 80 teils historische Wagen teil. Die Wallfahrt war erst 2017 als immaterielles Kulturerbe der Unesco in das deutsche Verzeichnis aufgenommen worden. In vielen Schulen in Bad Tölz fiel wegen der Wallfahrt der Unterricht aus – die Schüler müssen die Stunden aber nachholen.

Auch in Murnau gab es einen großen Umzug. Erstmals seit vielen Jahren fehlten allerdings die Esel aus Pähl im Kreis Weilheim-Schongau. Es habe geheißen, dass es mit Eseln zu gefährlich sei mitzugehen, weil Pferde oft scheuen, sagte Anahid Klotz von der Pähler Eselfarm Asinella. «Da habe ich ein bisschen Angst bekommen.» Bisher sei nie etwas passiert, sie bedauere, nicht dabei gewesen zu sein. «Ich lege Wert darauf, dass meine Esel den Segen bekommen.» Der Segen sei für sie immer ein wichtiger Moment gewesen. «Jetzt muss ich ihn mir vom Himmel holen.»

Leonhardiritte zu Ehren des Heiligen Leonhard von Limoges sind in Altbayern und Teilen Österreichs Brauch. Sie finden rund um den Leonharditag am 6. November statt. Viele Orte feiern den Tag schon an den Wochenenden davor. Denn Gespanne, Schützenvereine und Kapellen nehmen teils an mehreren Umzügen teil.